Tiersitting rund um die Welt

Globetrotter-Magazin
Sabine Zaugg
Sabine Zaugg
Redaktorin
07. Oktober 2020

Monika Rohner mag Tiere. Und Reisen. Als Tiersitterin hat sie einen Weg gefunden, ihre Leidenschaften zu verbinden. Sie leistet Hunden, Katzen und manchmal sogar Schweinen Gesellschaft, wenn deren Herrchen und Frauchen verreist sind. Dabei lernt sie nicht nur die Vierbeiner, sondern auch Land und Leute kennen.

Viele Haustierbesitzer und Haustierbesitzerinnen stellen sich die Frage: «Wer kümmert sich in den Ferien um meinen Liebling?» Da kommen Menschen wie Monika Rohner ins Spiel. Die Baselbieterin hat ein Profil bei «Trusted Housesitter». Auf der Onlineplattform suchen Herrchen und Frauchen nach Tiersittern, wenn sie verreisen wollen. «Sit for free» ist die Idee dahinter. Das bedeutet, man wohnt gratis und kümmert sich dafür um Haustiere, Zimmerpflanzen oder Garten. Weder Sitter noch Hausbesitzer bezahlen Geld. Von der Angorakatze in der Pariser Stadtwohnung bis zum Zwergpinscher im australischen Busch ist alles dabei. Monika Rohner kann jetzt nur noch auswählen, klicken und schon haben die Haustierbesitzer eine Antwort auf ihre Frage gefunden.

2018 hat sie es zum ersten Mal getan. Seither hat die 61-Jährige bereits acht «House Sits» gemacht. Ihr erster Aufenthalt als Tiersitterin führte sie in eine Villa mit Pool in Frankreich, wo sie zwei Wochen lang zwei Schnauzer bespasste. Danach war sie in Italien, England, Spanien, Österreich und auf den Azoren. «Wichtig ist, dass man die Erwartungen des Tierbesitzers vorher genau abklärt: Benötigt das Tier aufwendige Betreuung oder Medikamente? Gehört ein Garten mit dazu? Muss ein Stall gemacht werden?», erzählt Monika Rohner. Sie weiss, wovon sie spricht: In Spanien zählte ein Iberisches Schwein zu ihren Schützlingen, und auf den Azoren hat sie neben zwei Hunden auch noch Ziegen und Hühner versorgt.

Tiersitter wohnen bei ihren Schützlingen zu Hause. Das kann auch mal ein Gutshaus oder eine Villa sein.

Tiersitter wohnen bei ihren Schützlingen zu Hause. Das kann auch mal ein Gutshaus oder eine Villa sein.

Heimisch

«Je mehr Tiere man zu betreuen hat und je mehr Haus- oder Gartenarbeit dazukommt, desto weniger Zeit hat man für sich selbst und für Ausflüge», sagt sie. Doch die pensionierte Lehrerin reist nicht, um die Sehenswürdigkeiten des Landes abzuhaken, sondern sie reist, um sich eben gerade nicht wie eine Touristin zu fühlen. Sie wohnt in einem Haus statt im Hotel, geht Gassi mit dem Hund und lernt über den kontaktfreudigen Vierbeiner andere Hundebesitzer kennen. Auch die Nachbarn sind meistens informiert und helfen mit, dass sich die Tiersitterin schnell heimisch fühlt.

So eine Onlineplattform setzt viel Vertrauen und Offenheit voraus. Schliesslich kommt eine nahezu Unbekannte, um im eigenen Haus zu wohnen. Und noch dramatischer: Die Fremde wird temporäre Rudelführerin. Ob das gut geht? Oder ob Bello beim ersten Gassi abhaut und Mieze aus Frust das Sofa zerkratzt? Einer fremden Person zu vertrauen, braucht Mut. Aber nicht nur das. Es braucht auch gute Referenzen. Die haben bei «Trusted Housesitter» Priorität.

Glückstreffer

Monika Rohner ist eine Tiersitterin mit Bestnoten. Ihre bisherigen Gastgeber lobten ihr gutes Gespür für Tiere und ihre Zuverlässigkeit. Bello war von der ersten Sekunde an verliebt und folgte seinem neuen Frauchen überallhin. Mieze war nicht frustriert, sondern entzückt und kuschelte jeden Abend mit der Tiersitterin auf dem Sofa. «Wenn ich den Tierbesitzern dann ein Foto schicke, sind sie natürlich glücklich, zu sehen, dass es ihren Lieblingen gut geht», sagt sie. Und ergänzt: «Über eine gute Bewertung freue ich mich sehr, denn dann steigt auch die Chance, dass ich beim nächsten Angebot sofort in die engere Auswahl komme.»

Die erfahrene Tiersitterin hat schon manche Glückstreffer gelandet und ihre Zeit in Villen oder hübsch restaurierten Bauernhäusern auf dem Lande zugebracht. Aber einmal hat sie danebengegriffen. Sie stand eines Tages in einer winzigen Einzimmerwohnung in Wien, wo sie zwei Wochen auf zwei stattliche Labradore aufpassen sollte. Es war eng, unaufgeräumt, und sie musste die erste Nacht im Hotel verbringen, da die Gastgeberin noch nicht abgereist war und das Bett für sich beanspruchte. Aus Tierliebe blieb sie. Und hat dann doch noch schöne Tage in der Stadt erlebt.

Die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen setzt deshalb auf Skype. Wenn ihre Bewerbung für einen «Sit» akzeptiert wurde, verabredet sie sich mit den Haus- und Tierbesitzern für ein Gespräch. Dank dem Videochat erhält sie einen ersten Eindruck. Und umgekehrt. Stimmt die Chemie, sagen beide verbindlich zu. Sobald der Deal steht, geht es nur noch um Einzelheiten. «Meist reise ich nach Absprache einen Tag früher an, damit ich die Gastgeber persönlich kennenlerne und sie mir alles zeigen können. Sie sehen dann auch gleich, wie ich mit den Tieren zurechtkomme», sagt Monika Rohner. Wenn es dann so weit ist, geht es darum, das Vertrauen der Tiere zu gewinnen und ihre gewohnte Routine weiterzuführen. So geht die Tiersitterin morgens mit dem Hund Gassi, füllt die Futternäpfe und überlässt ihn dann für zwei, drei Stunden sich selbst, um einen Ausflug zu machen. Katzen versorgt sie meistens morgens und abends. Dazwischen ist sie frei, zu tun, was immer sie möchte. Alleine fühlt sie sich nie. Sie hat ja die Tiere um sich.

«Als Tiersitterin habe ich noch nie Ferien gemacht, möchte dies aber bald nachholen. Am liebsten bei einem Yak-Züchter.»
Sabine Zaugg
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Reisen bewegt nicht nur die Beine, sondern auch den Kopf. Die Welt mit allen Sinnen entdecken, neue Erfahrungen machen, lernen… Das war und ist bis heute meine Motivation, um immer wieder in neue Gegenden aufzubrechen. Ich lasse mir oft von scheinbar zufälligen Begegnungen den Weg weisen. So lernte ich in Buenos Aires die Milonga tanzen, erlebte den wilden Redwood-Run in Kalifornien oder feierte auf einer Hochzeit in Istanbul durch die Nacht. Es sind diese spontanen Momente, die das Reisen zur Inspiration machen.

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