«Was in Sachen verantwortungsbewusst Reisen richtig ist, entscheidet jeder für sich.»

Engagement
Caroline Bleiker
Caroline Bleiker
Leiterin Verkauf
19. Februar 2020

Dass sich zig Reiseunternehmen seit geraumer Zeit mit dem Thema «nachhaltig und verantwortungsbewusst Reisen» auseinandersetzen, ist wohl niemandem entgangen. Im Gegenteil. Hier Werbung für Zugreisen, da Werbung für das Kompensieren von Flügen. Aber wie genau steht Globetrotter zu dem Thema? Und wie verantwortungsbewusst ist Verkaufsleiterin Caroline persönlich unterwegs? Sie verrät es im Gespräch mit Rahel Staudenmann.

Caroline, wie gross ist dein ökologischer Fussabdruck?

Caroline: Kleiner als auch schon, wenn man das so sagen kann. Denn im Vergleich zu früher mache ich mir heute viel mehr Gedanken um unsere Umwelt und tue auch was dafür. Und sicherlich hat auch der Name «Greta» etwas mit meinem Umdenken zu tun …

Du sprichst von der weltweiten Debatte rund ums Klima.

Genau ja, die hat auch mich erreicht und regt mich zum Umdenken an.

Wo genau denkst du um?

Bei ganz banalen Alltagssachen. Kaufe ich Gemüse und Früchte ein, nehme ich längst keine Plastiksäckchen mehr, sondern meinen Jutebeutel. Allgemein verzichte ich auf Plastiksäcke beim Shoppen. Und Wasser sparen ist mir wichtig. Beim Zähneputzen zum Beispiel.

Und wie verantwortungsbewusst reist du im Alltag?

Auch wenn es oft bequemer wäre, versuche ich aufs Autofahren zu verzichten. Denn durch meinen Arbeitgeber Globetrotter habe ich ein Generalabonnement, entsprechend fahre ich oft mit den ÖVs.

Verlassen wir mal den Alltag und gehen raus in die Welt. Bei den Worten «verantwortungsbewusst» und «Reisen» kommt mir sofort das Fliegen in den Sinn. Kann ich verantwortungsbewusst fliegen?

Sicher verantwortungsbewusster ja. Grundsätzlich ist es so, dass je länger man an seinem Reiseziel bleibt, desto ‹besser› ist es. (Für Ziele, die weiter als 3’800 Kilometer entfernt liegen gilt: mindestens zwei Wochen oder länger bleiben. (Anm. der Autorin. Quelle: thetravellingmind.de)

Warum?

Weil es in dem Sinne immerhin ‹rentiert› hat, dass CO2-Emissionen verursacht wurden. Respektive verteilen sich die Emissionen auf zum Beispiel 28 Tage (ein Monat Aufenthalt) statt auf sieben Tage (eine Woche Aufenthalt). Sprich der CO2-Ausstoss pro Tag wird kleiner.

Das leuchtet ein. Trotzdem, der Flug bleibt immer gleich schädlich für die Umwelt …

Ja. Wer fliegt, kann aber darauf achten, Direktflüge zu nehmen, statt Flugreisen mit x Zwischenlandungen anzutreten. Allgemein ist rund ums Fliegen das ‹Flug kompensieren› ein Thema.

Beruhigt man damit nicht einfach sein schlechtes Gewissen?

Natürlich. Es macht aber absolut Sinn. Einzig wichtig ist, dass das Geld, das durch die Kompensation eingenommen wird, richtig eingesetzt wird.

Kannst du das genauer erläutern, vor allem im Bezug zu Globetrotter?

Wir arbeiten mit unserem Partner myclimate zusammen, dem wir zu hundert Prozent vertrauen. Bei myclimate fliesst das Geld in hochwertige Klimaschutzprojekte weltweit. Welche das sind, können wir aber nicht beeinflussen.

Ich gehe davon aus, dass du all deine Flüge kompensierst.

Ja.

«Der Mensch ist grundsätzlich neugierig und er soll meiner Meinung nach ihm fremde Kulturen kennenlernen und so seinen Horizont erweitern. Das finde ich wichtig. Solange er es eben bewusst und überlegt tut.»
Caroline Bleiker
Leiterin Verkauf
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Zur Person

Caroline Bleiker ist Co-Verkaufsleiterin bei Globetrotter und 54 Jahre alt.

Sie reist…
…in der Schweiz: täglich im Zug von Zürich nach Bern.
…im Ausland: Im Durchschnitt sechs Wochen pro Jahr, mit Flug, Zug und Auto.

Ihr …
…nächstes Reiseziel: zwei Wochen per Mietwagen durch den Oman. «Ich kompensiere meine Flüge und übernachte in kleineren Unterkünften, damit ich näher an Land und Leute komme.»
…Lieblingsland in der Ferne: Bolivien («liebenswürdige Menschen und faszinierende Natur»).
…Lieblingsland in der Nähe: Griechenland («ich mag die Mentalität, das Blau des Wassers und das Weiss der Häuser»).
Greta Thunberg …
«…hat bei vielen Menschen, ob jung oder alt, etwas ausgelöst, sprich zum Denken angeregt. Ich bin überzeugt, dass sie das weiterhin tun wird und sie uns noch lange erhalten bleibt.»

Bleiben wir noch kurz bei der Wahl des Fortbewegungsmittels. Wie umweltfreundlich ist der Zug im Gegensatz zum Flieger wirklich?

Gemäss Dokumentationen, die ich mir angeschaut habe, ist es so, dass ein Flugzeug 23 Kilogramm CO2-Emissionen ausstösst, während ein Fernverkehr-Zug nur rund dreieinhalb Kilo ausstösst. Die Angaben sind pro hundert Personenkilometer gerechnet.

Einmal angekommen, sollte das verantwortungsbewusste Handeln von mir aus gesehen nicht aufhören. Wie verantwortungsbewusst verhältst du dich an deinem ausgewählten Reiseziel?

Ich wähle Unterkünfte aus, die bewusst etwas für ihre Umwelt tun. Also zum Beispiel die lokale Bevölkerung unterstützen oder das Abwasser nicht direkt ins Meer lassen. Gleichzeitig versuche ich eher abseits von den grossen Touristenströmen unterwegs zu sein. Und meinen Abfall lasse ich nicht liegen.

Apropos verantwortungsbewusste Unterkünfte. Kann ich mir dazu bei Globetrotter Tipps holen?

Ja. Wir kennen Unterkünfte in verschiedenen Ländern, die speziell wegen ihrem Umweltbewusstsein ausgezeichnet sind. Allgemein widmen sich ausgewählte Reiseberaterinnen und Reiseberater dem Thema «verantwortungsbewusst Reisen» und werden regelmässig von uns Verkaufsleitern und Produkteverantwortlichen geschult und sensibilisiert. Wir beeinflussen aber unsere Kunden nicht. Jeder soll für sich entscheiden, was er für richtig hält.

Was ist in deinen Augen sicher nicht richtig?

Nicht richtig vielleicht nicht gerade, aber ich finde alles, was mit Tieren respektive Tierschutz zu tun hat, heikel.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel Delfin-Shows. Diese Tiere leben nicht in ihrer natürlichen Umgebung, darum rate ich davon ab so eine Show zu besuchen. Und allgemein seinen Abfall liegen zu lassen finde ich nicht richtig. Besonders in Ländern, die kein fortschrittliches Abfallentsorgungssystem haben. Da müssen wir als «vorbildliche Schweizer» doch mit gutem Beispiel vorangehen.

Und wir Schweizer*innen sind ein reisefreudiges Volk. Was wäre aber, wenn wir einfach nicht mehr reisen würden? Wäre das am verantwortungsvollsten?

Nein, das finde ich nicht. Der Mensch ist grundsätzlich neugierig und er soll meiner Meinung nach ihm fremde Kulturen kennenlernen und so seinen Horizont erweitern. Das finde ich wichtig. Solange er es eben bewusst und überlegt tut.

Wie du?

Ja. Ich bin nach wie vor sehr reisefreudig und werde es, wie erwähnt, verantwortungsbewusst machen. So, dass ich ohne schlechtes Gewissen in den Spiegel schauen kann (lacht).

Globetrotter und verantwortungsbewusstes Reisen

Ausgewählte Globetrotter-Reiseberater und Reiseberaterinnen setzten sich vertieft mit dem Thema auseinander, damit sie ihre Kunden optimal dazu beraten können.

Zudem führt Globetrotter interne Schulungen für MitarbeiterInnen zum Thema durch. Da geht es nicht nur darum, was in der Reiseberatung gegenüber den Kunden weitergegeben wird. Es geht auch um interne Gegebenheiten, die zum Teil verbessert werden können (zum Beispiel wie mit Ressourcen wie Papier oder Wasser umgehen, Take-Away-Mittagessen in Mehrweggeschirr usw.).

Mehr zu verantwortungsbewusstem Reisen

Über mich

Schon als Kind habe ich regelmässig Ausflüge an den Flughafen unternommen und den startenden Flugzeugen nachgeschaut. Da riechst du direkt das Fernweh. Bald zog es mich dann selber in die Weite. Als Reiseleiterin lernte ich den Fernwehgeruch von ganz nah kennen, insbesondere die kulinarischen Gerüche und Geschmäcker, die ich auf jeder Reise intensiv aufsog. Auch in meinem Lieblingsland Bolivien, wo ich mystische Landschaften, actiongeladene Abenteuer und liebe Menschen kennengelernt habe. Als COO und Leiterin Verkauf bei Globetrotter bin ich auch heute ständig auf Achse. Weniger international, sondern von Filiale zu Filiale. Aber spätestens in meinen Ferien folge ich wieder meiner Nase – und die führt mich stets in die Ferne.

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