«Chaostours» und die Hochzeit ohne Braut

Christine Bielecki

Mit Rentieren durch Sibirien, bei Indianern im Amazonas, zu den höchsten Sanddünen der Welt in der Inneren Mongolei, mit einem Guide, der mit Gesten kommuniziert, durch Mauretanien – Sylvia Furrer und Holger Hoffmann sind Weltentdecker. Sie lieben nicht nur das Reisen, sondern vor allem wollen sie immer gerne ganz eintauchen. Spüren, schmecken, verstehen, wie andere Kulturen leben. Landschaften sehen, die einem den Atem rauben. Sie reisen aussergewöhnlich. Und begegnen allem, Natur und Menschen, mit Respekt und ehrlichem Interesse.

«Chaostours» – besondere Reisen

«Chaostours» – spasseshalber hat Holger sich diesen Namen für ihre Homepage ausgesucht. Der Name kommt nicht von ungefähr. «Wir wurden auf unseren Reisen schon häufig gefragt, zu welcher Reisegruppe wir gehören. Irgendwann haben wir einfach ‚Chaostours‘ gesagt. Wir sind unsere eigenen und einzigen Kunden», lacht Sylvia. Ja, manchmal läuft es chaotisch ab, wenn Sylvia und Holger reisen. Das liegt aber nicht etwa an einer schlechten Vorbereitung. «Wenn wir uns ein Ziel vorgenommen haben, saugen wir erst einmal alles darüber auf, was wir finden können. Dann treten wir mit Menschen vor Ort in Kontakt. Und wenn wir dann dort sind, läuft es trotz akribischer Planung häufig anders als wir uns das vorgestellt haben. Daher passt der Name schon sehr gut», sagt Holger.

Die beiden sind seit 47 Jahren ein Paar, kennengelernt hatten sie sich im Studentenwohnheim. Damals war Sylvia Jurastudentin, Holger studierte Medizin – später wird er unter anderem Chefarzt an der Psychiatrischen Uniklinik in Bern. Gereist sind beide schon immer gerne. Und auch schon immer gerne anders. «Unsere erste gemeinsame Reise ging nach Korsika. Ein totaler Flop. Wir waren unendlich enttäuscht», berichtet Sylvia. Bei der zweiten Reise fahren sie mit dem eigenen Auto in die Türkei. Es folgten Reisen in den Irak, nach Indien, Sri Lanka, Nepal. Das Paar hat China gesehen, war 27 Mal in Afrika. Dann hatte Sylvia den Traum vom Reisen in Sibirien. «Diese ungeheure Weite, wenn alles weiss ist, das faszinierte mich.» So zogen die beiden mit Nomaden auf Rentieren durch den sibirischen Winter. Die Liste ihrer besonderen Ausflugsziele ist lang. Aber ganz tief beeindruckt hat Sylvia und Holger die Kultur der Arabernomaden im Tschad. Besonders ihre im Dezember stattfindenden Hochzeitsfeste haben es ihnen angetan.

Reisen mit den Arabernomaden

Als Sylvia und Holger zum ersten Mal in den Tschad reisten, ging es ihnen um die Landschaft des Ennedi. Auf der Rückfahrt trafen sie zufällig auf Nomaden. Sylvia staunte. Sie war sofort fasziniert von der Schönheit und Anmut der Frauen, die mit ihrem Hausrat auf den mit Kaurimuscheln und Ledertroddeln sowie Kochtöpfen reich verzierten Aufbauten auf Kamelen thronen. Die Idee, die Arabernomaden im Tschad zu besuchen, war geboren. Yaou, einen Guide, den das Paar bei der ersten Tschad-Reise kennengelernt hatte, wurde eingeweiht. «Wir stellten ihm unsere Idee vor.» Durch ihn lernten sie Mahamad kennen, der in N’Djamena für die DEZA als Fahrer arbeitet und gut Französisch spricht. Er ist eng mit seiner nomadisierenden Familie verbunden. Bei der zweiten Tschad-Reise machten sie sich also in der Wüste gemeinsam mit Mahamad auf den Weg, die Nomandenfamilie zu finden.

Die Hütten der Camps sind halboval, gedeckt mit kunstvoll geflochtenen Grasmatten und geschmückt mit Tüchern und rotbraunen Ledertroddeln. «Das Wort Hütte wird der Schönheit und Harmonie, welche diese Behausungen ausstrahlen, nicht gerecht», sagt Sylvia. Der Hausbau ist im Übrigen Frauensache. Die Frauen bearbeiten die Äste, auf denen die Konstruktion liegt. Auch die Matten werden hauptsächlich von den Frauen geflochten. Im Innern steht eigentlich nur das Bett auf hohen Stelzen, das genügend Platz für alle bietet und mit Matratzen sowie Moskitonetzen ausgestattet ist. An den Wänden hängen in Netzen aus Leder farbig emaillierte Töpfe. Die Vorplätze der Hütten sind blitzsauber. Es gibt eine Feuerstelle und eine Empore, auf der verschiedene Küchengeräte lagern. Zu Essen gibt es meistens Boule und Gombo – einen Hirsebrei, der zu einer Kugel geformt wird, und einer schleimigen Sauce aus getrockneten Okraschoten.

Die Nomaden interessieren sich für die Schweizer Gäste. Häufig kommt es vor, dass die Europäer als Fotomodelle herhalten müssen. Das freut Holger: So kann er leicht Gegenrecht einfordern. Strom gibt es natürlich nicht. Aber Handys sind auch bei den Nomaden nicht mehr wegzudenken. Sie werden entweder auf dem einmal wöchentlich stattfindenden Markt aufgeladen, dort gibt es einen Stand mit einem Generator mit etwa 50 Steckdosen, oder im Camp mit Hilfe von grossen Taschenlampenbatterien.

Bei ihrer zweiten Tschad-Reise erhielten die Schweizer die Gelegenheit mit einer der grössten Karawanen reisen zu dürfen. Sie besteht aus um die Hundert Dromedaren, unzähligen Schafen und Ziegen. Hier dürfen sie dann auch mehrere Hochzeiten mitfeiern. Es sind immer die gleichen Rituale, aber die Gäste können nicht genug davon bekommen. «Bei diesen Hochzeiten findet so viel Austausch statt, es ist ein unglaublich erfreuliches Ereignis», erzählt Sylvia.

Meistens läuft es so ab, dass unter einer Schar junger Frauen eine ein Tongefäss hält, aus welchem wohlduftender Weihrauch hochsteigt. Einzelne junge Männer reiten auf die Frauen zu und umkreisen sie, bis eine Gruppe von mehreren Reitern auftaucht. Darunter befindet sich auch der Bräutigam, umringt von seinen Freunden und männlichen Familienangehörigen. In der Hand hält er, wie zum Gruss erhoben, abwechslungsweise ein Schwert oder seine Peitsche. Der Weihrauch wird ihm unter das Gewand gewedelt. Dies ist die traditionelle Form des Parfümierens. Gleichzeitig wird er auch noch von jungen Männern aus mehreren Sprühdosen besprüht, bis diese leer sind. Derart in Wohlgeruch gehüllt, verbringt der Bräutigam den Tag mit seinen Freunden im Busch und kehrt erst am Nachmittag ins Camp zurück. Nach dem Mittagessen mit Fleisch, Boule und Gombo finden auch hier Pferderennen statt. Im Anschluss daran galoppieren die Reiter mehrmals um die neu erstellte Hütte, kreisen den nun aus dem Busch zurückgekehrten Bräutigam ein und besprühen ihn erneut mit Parfüm. Einige zücken auch ihr Schwert, um ihre Ehrerbietung zum Ausdruck zu bringen.

Die Frauen beginnen zu tanzen, klatschen und singen. Junge Männer gesellen sich dazu, es wird getanzt und gefeiert bis die Sonne unter geht. Dann steigt der Bräutigam vom Pferd und wird von seinen Freunden auf einem Sattel sitzend mehrmals vor dem Eingang der Hütte in die Luft gestemmt. Danach setzt er sich vor seine Hütte und nimmt die Glückwünsche und Geldgeschenke entgegen.

Hochzeit ohne Braut

Die Braut nimmt an ihrer eigenen Hochzeit nicht teil. Sie verlässt ihre Hütte während eines Monats nicht und wird erst am Abend auf den Bräutigam treffen, wenn alle Gäste bereits auf dem Heimweg sind. Was Sylvia und Holger besonders beeindruckt: Die arabischen Nomaden sind eine weitgehend unerforschte Kultur. Fotos, so privat wie Holger sie knipsen darf, sieht man selten von den arabischen Nomaden. Bei ihrer dritten Reise in den Tschad werden sie von den Nomaden empfangen wie enge Freunde. Sie führen tiefgehende private Gespräche, schliessen Freundschaften.

Einzigartig und farbenfroh, das sind die Worte, die Sylvia und Holger sofort einfallen, wenn sie an die Nomaden denken. Ebenso beeindruckend finden die beiden Schweizer den Busch und die Natur. «Das Nomadentum respektiert und schützt die Umwelt. Das wird heute leider häufig vergessen. Und deswegen sollte diese Kultur niemals behindert, sondern gefördert werden», sagt Sylvia.

Bilder
©Holger Hoffmann

Website
www.chaostours.ch

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