Mongolei Reise: drei persönliche Erfahrungen
Weite Steppe, Nächte im Zelt, Begegnungen mit Nomadenfamilien und überraschende Erkenntnisse: Drei Globetrotter-Reiseberaterinnen haben die Mongolei gemeinsam bereist. Was sie erlebt haben, war oft dasselbe. Was ihnen davon geblieben ist, ist ganz persönlich.
Wenn der Himmel Teil des Reiseerlebnisses wird
Für Carmen bleiben vor allem die Landschaft und ihre ständig wechselnden Stimmungen in Erinnerung. Im Norden leuchteten die Bergwiesen sattgrün, in der Wüste Gobi standen helle Sanddünen vor einem scheinbar endlosen Horizont.
Ebenso eindrücklich war der Himmel: tiefblau bei Sonnenschein, dramatisch bei aufziehenden Wolken, geheimnisvoll während eines Sandsturms und voller Farben bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Die Natur zeigte sich jeden Tag anders und machte selbst lange Fahrten zu einem Teil des Erlebnisses.
Warum die Frage nach der Fahrzeit irgendwann unwichtig wird
Eine Erkenntnis der Reise: In der Mongolei fragt man besser nicht, wie lange eine Fahrt noch dauert. Wetter und Pistenverhältnisse bestimmen den Weg und können Pläne jederzeit verändern.
Das Leben in der Steppe folgt weniger der Uhr als der Natur, den Tieren und dem Wetter. Nomadinnen und Nomaden sind es gewohnt, weiterzuziehen und sich neuen Bedingungen anzupassen. Eine spontane Begegnung oder eine ungeplante Änderung gehört ganz selbstverständlich dazu.
Die Reiseleiterin bezeichnete diese Haltung als «Mongolisieren». Carmen möchte etwas davon mit nach Hause nehmen: Nicht alles braucht einen festen Plan. Wer improvisiert und sich auf den Moment einlässt, erlebt manchmal genau das, was sich vorher gar nicht planen liess.
Morgens steht ein Pferd vor dem Zelt
Besonders nah kam Carmen diesem Lebensgefühl während des Reittrekkings. Die Gruppe übernachtete mitten in der Natur im Zelt. Morgens wurde sie von grasenden Tieren geweckt. Einmal stand beim Öffnen des Zelts ein Pferd unmittelbar davor und trat lediglich ein paar Schritte zur Seite.
Auch rund um die Jurtencamps waren Tiere allgegenwärtig. Ziegen, Schafe, Kühe, Yaks und Pferde gehörten zu den nächsten Nachbarn, dazwischen tauchten Hasen und neugierige Ziesel auf. Dieses selbstverständliche Nebeneinander von Mensch und Tier wurde für Carmen zu einem prägenden Teil der Reise.
Drei Tage mit dem Pferd durch die Steppe
Fabienne fällt es schwer, sich auf ein einziges Highlight festzulegen. Ganz oben steht für sie dennoch das dreitägige Reittrekking. Mit dem Pferd unterwegs zu sein und mitten in der Steppe im Zelt zu übernachten, war für sie eine besonders authentische Art, die Mongolei kennenzulernen.
In Erinnerung bleiben vor allem die Abende am Lagerfeuer, an denen die nomadischen Pferdeführer traditionelle Volkslieder sangen. Ein weiterer Höhepunkt war das Naadam-Fest. Gleich zweimal konnte Fabienne eines dieser traditionellen Feste besuchen und die mongolische Kultur gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung erleben.
Wenn Vorstellungen nicht zur Realität passen
Vor der Reise hatte Fabienne ein anderes Bild von der Mongolei. Sie erwartete ein Land, das in vielen Bereichen wenig entwickelt ist. Vor Ort merkte sie schnell, dass diese Vorstellung nicht zu ihren Erlebnissen passte.
Ulaanbaatar erlebte sie insbesondere im Zentrum als moderne Stadt. Auch die gut ausgebaute Schulbildung und medizinische Versorgung veränderten ihr bisheriges Bild des Landes. Gleichzeitig lernte sie Nomadinnen und Nomaden kennen, die traditionell und vergleichsweise einfach leben und moderne Annehmlichkeiten ganz selbstverständlich in ihren Alltag integrieren.
Vor Ort begann Fabienne, ihre eigenen Vorstellungen zu hinterfragen. Ein Land lässt sich aus der Distanz nur schwer beurteilen. Erst die Begegnungen mit den Menschen zeigen, wie ihr Alltag tatsächlich aussieht.
Einfach vorbeikommen und willkommen sein
Eine dieser Begegnungen erlebte Fabienne bei einer Pferdezüchterfamilie. Die Gruppe kam unangemeldet vorbei und wurde trotzdem herzlich empfangen. Sie erhielt einen persönlichen Einblick in den Alltag der Familie und erlebte, wie eng Pferdezucht, Natur und Familienleben miteinander verbunden sind.
Besonders beeindruckte sie die Gastfreundschaft. Dass fremde Menschen spontan willkommen sind und am eigenen Alltag teilhaben dürfen, blieb ihr als einer der schönsten Momente der Reise in Erinnerung.
Stundenlang nichts als Landschaft und Tierherden
Auch für Nicole gehört das dreitägige Reittrekking durch das Orchontal zu den intensivsten Erlebnissen der Reise. Auf dem Pferderücken ging es durch weite, grüne Landschaften, vorbei an Tierherden und mit einem Horizont vor Augen, der kaum näher zu kommen schien.
Gerade diese Reduktion prägte die Tage. Keine Städte, kaum Ablenkung, dafür Natur, Tiere und viel Raum. Die Nächte verbrachte die Gruppe im Zelt, umgeben von Stille und den Geräuschen der Natur. Für Nicole waren es Momente, in denen sie völlig abschalten konnte.
Was ein einfaches Leben bedeuten kann
Die Begegnungen mit Nomadenfamilien brachten Nicole dazu, darüber nachzudenken, was ein einfaches Leben eigentlich bedeutet. Sie erlebte einen Alltag, der eng mit der Natur verbunden ist und gleichzeitig von Gemeinschaft, Tradition und grosser Selbstständigkeit geprägt wird.
Was von aussen nach Verzicht aussehen kann, fühlte sich vor Ort ganz anders an. Für Nicole wurde deutlich, dass ein einfaches Leben nicht bedeutet, dass es an dem fehlt, was für ein erfülltes Leben wichtig ist.
Eine Steppe ist nicht einfach braun
Überrascht hat Nicole auch die Vielfalt der Landschaft. Vor der Reise verband sie mit Steppe vor allem trockene, braune Ebenen. Tatsächlich zeigte sie sich sattgrün, sanft hügelig und dann wieder scheinbar grenzenlos.
Dazwischen bewegten sich frei Pferde-, Schaf- und Ziegenherden durch die Landschaft. Einzelne Jurten und Begegnungen mit Nomadenfamilien gaben der enormen Weite ein menschliches Gesicht.
Besonders spürbar war für Nicole der Stolz der Mongolinnen und Mongolen auf ihre Kultur, ihre Geschichte und ihre Lebensweise. Genau das Zusammenspiel aus Landschaft, Begegnungen und gelebten Traditionen macht die Mongolei für sie zu einem aussergewöhnlichen Reiseland.
Dieselbe Reise, andere Erinnerungen
Ein Pferd vor dem Zelt, traditionelle Lieder am Lagerfeuer, die spontane Gastfreundschaft einer Nomadenfamilie oder das Gefühl, auf dem Pferderücken durch eine Landschaft zu reiten, die kein Ende zu haben scheint: Nach 18 Tagen nimmt jede der drei Reiseberaterinnen andere Erinnerungen mit nach Hause.
So unterschiedlich ihre Erinnerungen sind, eines verbindet sie: Die Mongolei lässt sich nur schwer aus der Distanz erfassen. Wie sich ihre Weite anfühlt, wie selbstverständlich Gastfreundschaft gelebt wird und welchen Rhythmus der Alltag in der Steppe hat, zeigt sich erst, wenn man selbst dort ist.
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Über mich
Meine Liebe zum Reisen begann auf einem Roadtrip entlang der Westküste Amerikas. Seither hat mich die Faszination für das Entdecken neuer Orte und Kulturen nicht mehr losgelassen. Ein besonderes Highlight war ein mehrtägiger Aufenthalt im Dschungel Nordthailands. Ich verständigte mich ohne Worte, und doch führte ich nie bewusstere Gespräche. Dort lernte ich den Dschungel als Ort der Ruhe, Reflexion und Zufriedenheit kennen. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, Dinge nicht als selbstverständlich zu betrachten und das Einfache zu schätzen. Heute entdecke ich die Welt mit meiner Familie. Gemeinsam unterwegs zu sein, eröffnet mir neue Perspektiven und ich sehe vieles wieder mit den staunenden Augen eines Kindes. Wenn ich nicht reise, findest du mich am Wasser oder auf meiner Vespa, irgendwo zwischen Sonne, Wind und Fernweh.
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