Albanien Reisen – die Oase in Europa

Sehenswürdigkeiten
Rahel Staudenmann

Albanien war dieses Jahr eine Trenddestination. Was heisst das? Die Autorin dieses Textes wollte es genau wissen. Sie hat mit zwei Globetrotter-Reiseberatern gesprochen, die das Balkanland jüngst besucht haben. Eins vorneweg: Nach Albanien reisen ist nicht einfach Trend. Albanien ist wohl eine der letzten Oasen in Europa.

Was kommt dir in den Sinn, liebe Leserin und lieber Leser, wenn du das Wort Trenddestination hörst? Sind es auch karibische Strände, schicke Hotels, volle Bars und lebendige Strassencafés? «Letztere gibt es in Tirana, der Hauptstadt Albaniens, an jeder Ecke», erzählt Carla Riss, Globetrotter-Reiseberaterin in der Filiale Aarau. Das spannende an den Cafés sei, dass sie, im Gegensatz zu heimischen Gefilden, fast ausschliesslich von Männern besetzt seien. Da werde so richtig «käfelet», gestikuliert und diskutiert. Spannend ist das Stichwort.

Gastfreundliches Albanien

Spannend ist die Stadt mit ihrer kommunistischen Vergangenheit und Bauten sehr, sind sich Carla Riss und Pascal Schmid, Globetrotter-Reiseberater in Zürich, einig. Entsprechend auch die Unterkünfte, die eher einfach und nicht zwingend dem «europäischen Standard» entsprächen. Oft seien die Hotels und Gasthäuser von Familien geführt, sagt Carla. In dem Zusammenhang erwähnt sie die ausserordentliche Gastfreundlichkeit, die im ganzen Land an den Tag gelegt wird. Und nicht zuletzt auch das feine albanische Essen, das es praktisch überall für wenig Geld gebe.

Die Kaffees von Tirana

Die Kaffees von Tirana

Natur wie in Norwegen

Zwar fällt das Adjektiv «schön» nicht bei Tirana, es kommt aber definitiv zum Zug. Und zwar, wenn von der Natur in Albanien die Rede ist. So darf zum Beispiel das eher abgeschottete Valbonatal im Norden des Landes bei keiner Albanien-Reise fehlen. Im Gegenteil. «Zwischen den Bergmassiven habe ich mich wie in Norwegen gefühlt», resümiert Carla. Wandernd entdeckt man das Tal übrigens am besten. «Und unbedingt Zeit mitbringen, denn die Reise dorthin ist lang.» Apropos Zeit. Wer etwas mehr davon zur Verfügung hat, drei oder gar vier Wochen, der verbindet eine Reise nach Albanien mit den Nachbarländern Kosovo und Mazedonien. «Oder mit Griechenland. Von Albanien aus erreicht man die Insel Korfu sehr gut», so Pascal.

Das Valbonatal im Norden von Albanien

Das Valbonatal im Norden von Albanien

Albanien-Reise = Karibikfeeling

Doch zurück zu Albanien. Zu einer «richtigen» Trenddestination gehören doch auch Strand und Meer, oder? Im Süden des Landes spüre man sogar Karibikfeeling, sagt Pascal. Zum Beispiel in Dhermi, das sich zwischen den grösseren Orten Vlora und Saranda befindet. Auch die Einheimischen würden ihre Freizeit gerne im Süden verbringen, so Pascal. Das spreche doch für sich. Allgemein werde das Land von vielen Touristen aus den Nachbarländern besucht, weniger aber von «westlichen» Touristen, finden der Reiseberater und die Reiseberaterin. Die Frage, ob das Wort Trenddestination somit gar nicht auf Albanien zutrifft, können die beiden aber nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten.

Die Küste von Dhermi

Die Küste von Dhermi

Italien vor 40 Jahren

«Für die Menschen in Albanien wäre es toll, wenn der Tourismus wachsen würde», so Carla. Denn vor allem in den ländlichen Gegenden sei die Armut schon zu spüren, ja, Handys und Computer sind überhaupt noch keine Selbstverständlichkeit. «Manchmal hatte ich das Gefühl, in Italien zu sein. Aber vor 40 Jahren.» Das sei aber überhaupt nicht negativ gemeint, im Gegenteil. Es sei eben das spürbar Ursprüngliche, das Albanien als Reiseziel so speziell und gar zu einer «Oase in Europa» mache. Nach letzteren Aussagen des Reiseberaters und der Reiseberaterin ist die Autorin dieses Textes überzeugt, dass eine Trenddestination nicht nur auf schicke Hotels und volle Strassencafés reduziert werden darf. Da steckt definitiv mehr dahinter. Auf nach Albanien also? Oh ja! (Siehe Box). 

Die Altstadt von Gjirokastra

Die Altstadt von Gjirokastra

Gut zu wissen für deine Albanien-Reise

Für welchen Reisetyp
Aktive Menschen, die gerne wandern und neue Kulturen kennenlernen. Und sich auch einfachere Standards gewohnt sind (Unterkünfte, öffentliche Busse).

Ideale Reisezeit
Ende August/anfangs September. «Dann ist die Hauptreisezeit vorbei, die Temperaturen aber immer noch angenehm», so Pascal Schmid, Globetrotter-Reiseberater.

Anreise
Land- und Wasserweg: zum Beispiel vom italienischen Bari aus nach Durres.
Luftweg: direkt von Zürich in die Hauptstadt Tirana. «Auf dem Heimweg sollten Reisende mindestens drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein», weiss Globetrotter-Reiseberaterin Carla Riss.

Visum
Nein. Carla Riss empfiehlt aber, mit dem Pass, statt mit der ID zu reisen.

Währung
Albanischer Lek, kurz ALL. Vor Ort wechseln respektive beziehen sei kein Problem, sagen die beiden Albanien-Spezialisten.

Unterwegs
Von Stadt zu Stadt: mit öffentlichen Bussen (für geübte und flexible Reisende, da keine fixen Busfahrpläne)
Raus aufs Land: per Mietwagen einfacher und unabhängiger

Verständigen
In den grösseren Städten könne man sich in Englisch unterhalten und ausserhalb gehe es mit Händen und Füssen, so Carla Riss. «Und die älteren Menschen sprechen zum Teil sehr gut Italienisch.»

Familien
Sind herzlich willkommen. Die Einheimischen mögen Kinder sehr gerne.

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