Editorial
Die Essenz des Alltags
Liebe Weltentdeckerinnen und Weltentdecker
Es gibt Orte auf der Welt, an denen man lernt, der eigenen Nase zu trauen. Asiens Märkte sind solche Orte. Ehe das Auge begreift, wo man gelandet ist, meldet sich der Geruchssinn. Süss. Scharf. Faulig. Bitter. Fremd. Ich bin auf Langkawi in Malaysia, als ich das zum ersten Mal erlebe. Es ist kurz vor Mittag, die Luft schwer von Hitze und Dampf. Auf knietiefen Tischen stapeln sich Früchte, deren Namen ich nicht kenne und die in Farben leuchten, die ich nie zuvor gesehen habe. Daneben liegt Fisch, der noch zappelt. Fleisch von Tieren aller Art, das in der prallen Sonne glänzt. Kräuter, die aussehen, als seien sie erst vor zwei Minuten aus dem Regenwald herbeigeschafft worden.
Alles passiert auf diesem riesigen Marktplatz gleichzeitig. Schneiden. Wägen. Handeln. Lachen. Streiten. Kochen. Essen. Ich bin mittendrin, ebenso fasziniert wie überfordert. Auf dem Markt entscheidet sich für die Menschen hier, was heute auf den Tisch kommt. Und genau deshalb sind sie so ehrlich. Nichts ist hier dekoriert, nichts geschönt. Der Geruch von reifer Ananas mischt sich mit dem von Abwasser, der von Räucherstäbchen mit dem von Benzin, der von Chili mit dem von Schweiss, der von Schafskopf mit dem von Zuckerwatte. Tuttifrutti, alles auf einmal eben.
Fotograf Christoph Traber kennt das bestens. Für diese Ausgabe des Globetrotter- Magazins hat er einige der schönsten und skurrilsten Märkte des Kontinents besucht. Seine Bildreportage könnt Ihr ab Seite 70 lesen. Und wahrscheinlich auch schmecken. Und riechen. Und fühlen. Oder?
Auf Langkawi zögere ich, als ich in den Suppentopf mit den vielen undefinierbaren Fleisch-, Fisch-, Wurst- und den wenigen Chili- und Gemüsestückchen blicke. Ich frage mich, ob ich wirklich davon probieren soll. Und tue es. Weil Märkte auch gute Orte sind, um Mut zu belohnen. Geschmack ist dort nie Theorie, sondern Erfahrung. Die Suppe ist nicht besonders gut. Aber auch nicht so übel, wie ich befürchtet habe.
Mit jedem Markt, den ich auf Reisen besuche, lerne ich, langsamer durch die Stände zu streifen, öfter stehen zu bleiben, mehr aufzusaugen, mit allen Sinnen. Ich beobachte gerne und stelle mir Fragen (die meist für immer unbeantwortet bleiben). Wie lange verkauft die zahnlose Frau auf dem violetten Hocker wohl schon Kräuter? 20 Jahre, 25, 40, 50? Wie schafft es der Teenager, die dicken Eisblöcke mit blossen Händen zu zerschlagen? Wie viele Hunde werden hier pro Tag grilliert? Und wie billig ist ein gut gefälschtes Trikot des FC Barcelona wohl im Einkauf, wenn ich es für umgerechnet vier Franken kaufen kann?
Märkte sind so etwas wie die Essenz des Alltags. Nirgendwo riecht man die Welt besser als auf ihren Märkten. Und wahrscheinlich versteht man sie auch nirgendwo besser. Ä Guete!
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