Bildung, die Perspektiven schafft
Was braucht es, damit ein Kind seine Zukunft selbst gestalten kann? In Kambodscha fehlt oft nicht der Wille, sondern der Zugang. Die Stiftung Eyes Open setzt genau dort an und zeigt, wie Bildung, Ernährung und Perspektiven zusammenwirken. Ein Gespräch über Verantwortung, Wirkung und die Kraft von langfristigem Engagement.
Der Anfang: Eine Reise, die alles verändert
Was als vierwöchiger Aufenthalt in Siem Reap begann, wurde für Claudia Komminoth zum Wendepunkt. Die Begegnungen vor Ort haben sie geprägt. Zurück in der Schweiz lässt sie der Gedanke nicht mehr los, mehr zu tun als punktuell zu unterstützen.
Nur zwei Monate später gründet sie Eyes Open. Noch im selben Jahr reist sie zurück nach Kambodscha – auf der Suche nach einem Projekt, das wirklich etwas verändert. Fündig wird sie bei der Ponheary Ly Foundation. Dahinter steht Ponheary Ly. Eine Frau, die selbst erlebt hat, wie sehr Bildung ein Leben verändern kann. Ihre Vision: Kindern Schritt für Schritt Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Eine Partnerschaft, die bis heute trägt.
Wenn eine Mahlzeit alles verändert
Ein Besuch im Dezember 2012 wird zum Schlüsselmoment: Claudia sieht, wie Kinder hastig mit beiden Händen essen, weil sie nicht wissen, wann es die nächste Mahlzeit gibt.
Hier wird klar: Wer Hunger hat, kann nicht lernen. Und ohne Bildung gibt es keinen Ausweg aus der Armut.
Heute finanziert Eyes Open monatlich rund 18 000 Mahlzeiten. Dank diesen besuchen die Kinder die Schule und es ist die Grundlage für alle weiteren Schritte.
Fünf Bausteine, die ineinandergreifen
Der Ansatz von Eyes Open ist es, Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Dafür arbeitet die Stiftung mit staatlichen Schulen zusammen und finanziert die Puzzleteile, die fehlen, damit Kinder und Jugendliche die Schule besuchen und einen staatlich anerkannten Abschluss erreichen können.
Was das konkret bedeutet
Rund 18 000 Mahlzeiten pro Monat sorgen dafür, dass Kinder überhaupt zur Schule kommen. Wer satt ist, kann lernen – so einfach ist es.
Medizinische Grundversorgung verhindert, dass kleine Verletzungen zu ernsthaften Problemen werden. Gesunde Kinder haben Energie – fürs Lernen und fürs Spielen.
Viele Schulen liegen mehr als zehn Kilometer entfernt. Fahrräder ermöglichen Jugendlichen den Zugang zur Oberstufe – und verändern gleichzeitig den Alltag ganzer Familien.
In eigenen Learning Centern vertiefen Jugendliche ihr Wissen, lernen MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und entwickeln Lebenskompetenzen. Themen wie Gesundheit, Pubertät oder Zukunftsperspektiven bekommen Raum.
Stipendien für Berufsbildung oder Universität ermöglichen den letzten Schritt. Eyes Open finanziert Studienrichtungen, die zu einer stabilen Erwerbstätigkeit führen, damit junge Menschen selbstbestimmt für sich und ihre Familien sorgen können. Das ist der Moment, in dem Entwicklungshilfe erfolgreich abgeschlossen ist.
Wirkung, die über Generationen hinausgeht
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:
- 93 % schliessen die sechste Klasse ab (national rund 40 %)
- Die Primarschule dauert im Schnitt 6,4 Jahre statt zehn
- 93 % bestehen die zwölfte Klasse (national 64 %)
Doch die Wirkung geht weiter als Statistiken zeigen können. Kinder nehmen Bücher aus der Schulbibliothek mit nach Hause und bringen ihren Eltern lesen und schreiben bei. Jugendliche, die in einfachen Verhältnissen aufgewachsen sind, schliessen heute Berufsausbildungen ab oder studieren an Universitäten. Sie sind clever und wollen viel erreichen – sie brauchen nur den Zugang.
Kleine Beiträge, grosse Wirkung
Was dabei oft überrascht: Schon kleine Beiträge können viel bewirken.
- Mit 120 Franken erhält ein Kind ein ganzes Jahr ausreichend Nahrung.
- Mit 65 Franken wird ein Fahrrad inklusive Schulmaterial finanziert.
- Mit 20 Franken ist die medizinische Versorgung für ein Jahr gesichert.
«Wir spüren die Wirkung jeden Tag.»
Im Klassenzimmer zu sitzen und zu sehen, wie engagiert die jungen Menschen mitmachen, im persönlichen Gespräch zu erfahren, wie sich ihre Lebensumstände verändert haben, und zu erleben, wie sie es schaffen, sechs Tage die Woche in die Schule zu gehen – und oft auch am Sonntag zu lernen. Das ist es, was zählt. Eyes Open gibt rund 3000 Kindern und Jugendlichen die Chance, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.
Entwicklung in einer Generation
Das Ziel von Eyes Open ist es, Entwicklungshilfe innert einer Generation überflüssig zu machen. Der Weg dorthin führt über Bildung und beginnt mit einer Mahlzeit. Wer satt ist, kommt zur Schule und kann lernen. Wer gesund ist, hat die Energie dafür. Wer ein Fahrrad hat, schafft auch den Weg zur Oberstufe, zehn Kilometer entfernt. Wer im Learning Center MINT-Fächer vertieft und Lebenskompetenzen entwickelt, hat die Grundlage für eine Berufsausbildung oder ein Studium. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung können junge Menschen selbstbestimmt für sich und ihre Familien sorgen.
Erst wenn alle Bausteine ineinandergreifen, entsteht diese Veränderung. Oder anders gesagt: Fällt ein Teil weg, etwa Nahrung, verliert das ganze System seine Wirkung.
Was dein Verhalten vor Ort bewirkt
Ein Beispiel bleibt hängen: Kinder verkaufen bei Tempeln Souvenirs. Der Impuls zu helfen ist gross. Doch wer kauft, verstärkt das Problem. Das Kind verdient mehr als die Eltern und bleibt am nächsten Tag wieder auf der Strasse statt in der Schule. Später fehlen Perspektiven.
Der Weg in eine unsichere Zukunft ist kurz.
Was du konkret tun kannst
- Informiere dich vor deiner Reise
- Respektiere lokale Gepflogenheiten
- Unterstütze gezielt Organisationen vor Ort
- Gib Kindern kein Geld direkt auf der Strasse
Ein Privileg und eine Verantwortung
Dieser Gedanke bleibt. Wer reist, sieht mehr. Und versteht mehr. Und erkennt vielleicht auch: Jeder Beitrag kann einen Unterschied machen.
Hoffnung trotz Herausforderungen
Die Arbeit findet nicht im luftleeren Raum statt. Politische Spannungen und Konflikte prägen die Region.
Der bewaffnete Konflikt im Grenzgebiet zwischen Thailand und Kambodscha hat zuletzt viele Menschen zur Flucht gezwungen. Ganze Dörfer wurden zerstört, Familien mussten ihre Heimat verlassen.
Umso wichtiger sind stabile Perspektiven. Eine abgeschlossene Ausbildung schafft Sicherheit, auch in unsicheren Zeiten.
«Bildung ist der Schlüssel für eine bessere Zukunft.», sagt Claudia Komminoth.
Die Vision: Eine Generation, die selbst für sich sorgen kann.
Erfolg bedeutet: irgendwann nicht mehr gebraucht zu werden.
«Kommt nach Kambodscha. Und nehmt euch Zeit.»
Kambodscha berührt. Die Menschen, die Kultur, die Geschichten.
Wer reist, trägt dazu bei, dass Einkommen entsteht. Wichtig ist, bewusst unterwegs zu sein – und sich auf das Land einzulassen.
Eyes Open ist eine Schweizer Stiftung, gegründet 2012 von Claudia Komminoth. Sie führt die Organisation gemeinsam mit ihrem Stiftungsrat. Im Norden von Kambodscha ermöglicht sie Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Bildung. Heute begleitet Eyes Open rund 3000 Kinder und Jugendliche von der ersten Klasse bis zum Ausbildungsabschluss.
Über mich
Meine Liebe zum Reisen begann auf einem Roadtrip entlang der Westküste Amerikas. Seither hat mich die Faszination für das Entdecken neuer Orte und Kulturen nicht mehr losgelassen. Ein besonderes Highlight war ein mehrtägiger Aufenthalt im Dschungel Nordthailands. Ich verständigte mich ohne Worte, und doch führte ich nie bewusstere Gespräche. Dort lernte ich den Dschungel als Ort der Ruhe, Reflexion und Zufriedenheit kennen. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, Dinge nicht als selbstverständlich zu betrachten und das Einfache zu schätzen. Heute entdecke ich die Welt mit meiner Familie. Gemeinsam unterwegs zu sein, eröffnet mir neue Perspektiven und ich sehe vieles wieder mit den staunenden Augen eines Kindes. Wenn ich nicht reise, findest du mich am Wasser oder auf meiner Vespa, irgendwo zwischen Sonne, Wind und Fernweh.
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