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Michael Hauri - SOLD


Preisträger World Photo 2012

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    China ganz nah: Die Berge auf der anderen Talseite gehören zum Reich der Mitte, die Landesgrenze verläuft entlang des Grenzflusses Nho Que.

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    Nachdem Lan eines Tages von der Schule kam bot ihr ein Fremder etwas zu Trinken an. Sie dachte sich nichts dabei und nahm einen Schluck aus der Plastikflasche.

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    Als sie aufwachte, fand Lan sich in irgendwo in China wieder. Sie wurde für 7000 Yuan (ca. 1000 Franken) verkauft. Ihre Peinigerin, eine Vietnamesin, hielt im gleichen Haus noch weitere Mädchen gefangen.

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    Die Grenzregion Hà Giang ist eine der ärmsten Provinzen Vietnams. Già und ihre Familie sind wie die meisten hier Selbstversorger. Unter brütender Hitze und in mühsamer Handarbeit müssen im Sommer die Maiskolben geerntet werden. Nur um sie nachher ihren Tieren zu verfüttern.

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    Già war 17 und frisch verliebt in ihren ersten Freund. Bis dieser sie an chinesische Frauenhändler verkaufte. Die beiden kannten sich seit zwei Monaten.

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    In China angekommen, ergriff Già die erstbeste Gelegenheit und rannte um ihr Leben. Zu Hause wartete wieder die Feldarbeit auf sie.

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    Nach ihrer Rückkehr traute Già zuerst niemandem mehr über den Weg.

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    Bian kennt ihre Entführerin seit der Kindheit. Von ihr wurde sie eines Morgens eingeladen, den Markt im Nachbardorf zu besuchen.

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    «Da stimmt etwas nicht!», sagte sich Bian, nachdem sie plötzlich die Grenze überquert hatten. Tatsächlich wurde sie bald darauf an zwei Fremde verkauft.

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    Vom grenzübergreifenden Handel profitieren auch die Vietnamesen. Importwaren aus China sind eine willkommene Abwechslung.

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    Vietnam teilt mit China eine 1200 Kilometer lange Grenze. In der Provinz Hà Giang leben ungefähr die Hälfte der Menschen in abgelegenen Siedlungen, verstreut in zerklüfteten Berglandschaften. Das macht die Gegend schwer kontrollierbar.

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    Blick auf die andere Talseite: Drüben suchen Millionen von Männern verzweifelt eine Braut. Viele sind bereit, sich eine Frau aus dem Ausland zu kaufen. Für junge Vietnamesinnen bedeutet das einerseits eine Gefahr. Andererseits wird China von ihnen auch als Chance auf ein besseres Leben wahrgenommen.

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    Einige Monate nach der Flucht vor ihren Entführern ist Thao wieder nach China abgereist – diesmal freiwillig. Zu Hause sah sie keine Perspektive mehr.

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    Seit dem Tod ihres Vaters (rechts im Bild neben dem Porträt Ho Chí Minhs) lebte sie mit der Mutter alleine in einer kleinen Hütte.

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    Bei ihrem ersten Aufenthalt in China wurde Thao 13 Monate lang gezwungen auf einem Bauernhof zu arbeiten, bis die chinesische Polizei sie entdeckte und zurück an die Grenze brachte.

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    Bis heute fehlt jede Spur: Nachdem ihre Mutter plötzlich verschwand, übernahm Hoa (ganz rechts im Bild) als älteste Tochter die Verantwortung für ihre drei Geschwister. Der Vater war früh verstorben.

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    Schliesslich wurde Hoa selbst entführt. In China gerieten die Täter aber in eine Polizeikontrolle.

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    Die Landschaft um Mèo Vạc gehört zu den atemberaubendsten, aber auch abgelegendsten Regionen Vietnams.

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    Die Dörfer im Hochland von Hà Giang liegen oft stundenlange Fussmärsche voneinander entfernt. Dadurch wird der Schulweg zur Gefahr für Mädchen.

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    Menschenrechtsorganisationen gehen in ganz Vietnam von 40'000 vermissten Frauen und Mädchen aus. Die offiziellen Zahlen liegen weit darunter.

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    Hà Giang, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, ist für einen Grossteil der Landbevölkerung weiter weg als der nächste illegale Grenzübergang.

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    Cai wurde in China zur Prostitution gezwungen: «Bis heute, viele Jahre später, tut es noch weh, wenn ich mit meinem Mann schlafe.»

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    Lan hatte mehr Glück: Nach drei Monaten verhalf ihr ein gutmütiger Chinese zur Flucht. Mittlerweile ist sie verheiratet in Vietnam.

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    Trotz den Ängsten nach ihrer Rückkehr hat auch Già in der Heimat einen Partner gefunden. Vor ein paar Monaten ist ihr gemeinsamer Sohn zur Welt gekommen.

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    Von der Verlobungskarte lächelt uns ein fremdes Paar entgegen. Eine Karte mit eigenem Foto konnten sich Già und ihr zukünftiger Mann nicht leisten. Ihr ist’s egal: «Wir werden heiraten sobald meine Eltern das Geld für das Schwein beisammen haben, unserem Hochzeitsessen.»

SOLD – Wie Chinas Männerüberschuss den Frauenhandel in Vietnam fördert

Jedes Jahr verschwinden Tausende Mädchen und junge Frauen aus der armen, bäuerlichen vietnamesischen Grenzregion zu China. Dort bremst die 1-Kind-Politik das Bevölkerungswachstum und schafft ein zahlenmässiges Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern, denn weibliche Embryos werden massenweise abgetrieben. Die Folge: Für das Jahr 2020 rechnen Demografen mit 24 Millionen jungen Chinesen, die keine Frau finden. Hauri begleitete mit seiner Kamera betroffene Frauen, die nach China verkauft wurden und denen die Flucht zurück in ein halbwegs normales Leben gelang.


Michael Hauri über seine Arbeit

«Das Projekt Globetrotter World Photo ist ein echter Ansporn! Es ermöglicht mir die Realisierung einer Reportage über ein spannendes und wichtiges Thema. Besonders motivierend fand ich das Angebot, mit Manuel Bauer als Coach zusammenzuarbeiten: Im Austausch mit ihm entstanden viele gute Ideen. Die Fotoreportage zu einem Thema, über das geschwiegen wird, war nicht einfach. Wie bei fast jeder Reportage gibt es zu Beginn viele Unwägbarkeiten.

Ich las viel zum Thema, machte mich mit der Materie vertraut und hatte auch bereits zu Beginn Kontakte. Dank der finanziellen Unterstützung konnte ich zur Vorbereitung jemanden in Vietnam engagieren, der versuchte, betroffene Frauen zu finden. Denn es gibt auch viele Vietnamesinnen, die nach China entführt wurden und denen später die Flucht zurück in die Heimat gelang. Ich wollte genügend Zeit mit ihnen verbringen, um auch jene Qualität der fotografischen Arbeit zu gewährleisten, die ich anstrebe».


Zur Person

Michael Hauri, geboren 1983 in Liestal, studierte Fotojournalismus und Dokumentarfotografie in Hannover und war danach als Fotograf für verschiedene deutsche Zeitungen und Magazine tätig. Seit 2009 ist er Inhaber und Creative Director der Agentur 2470media in Berlin. Er ist ausserdem Dozent für das Thema Multimedia Storytelling, u.a. an der Akademie für Publizistik in Hamburg, an der Hochschule Hannover und am MAZ, der Schweizer Journalistenschule in Luzern. Für seine Arbeiten wurde Michael u.a. ausgezeichnet mit dem Axel-Springer-Preis für junge Journalisten und dem Grimme Online Award.

www.michaelhauri.com Weitere Preisträger
Porträt Michael Hauri