Editorial Globetrotter-Magazin


Globetrotter Magazin

Magazin Nr. 132

Ballastabwurf


Liebe Weltentdeckerinnen und Weltentdecker

Irgendwo in Melaka in Malaysia spielt ein Teenager in meinen weissen Turnschuhen Fussball. In Luang Prabang in Laos geht die Tochter eines Gasthausbetreibers in meinem blauen Kapuzenpulli mit dem Logo des grossartigen Eishockeyclubs Biel auf der Brust zur Schule. In Fremantle im Westen Australiens drischt ein Familienvater in einem T-Shirt mit dem Wappen des wunderbaren Brügger Sportclubs 04 den Squashball gegen die Wand. Und in Südfrankreich hat das ältere Paar im Häuschen gegenüber dem Zeltplatz jetzt Ovomaltine-Pulver für die nächsten 21 Jahre im Küchenschrank.

All diese netten Menschen haben davon profitiert, dass ich jedes Mal, wenn ich zu einer Reise aufbreche, den gleichen Fehler mache. Bekannte schicken mir ihre handgeschriebenen Packlisten, ich lese Tipps in einschlägigen Magazinen, lasse mich von meiner Frau, einer wahren Packkönigin, beraten. Ich denke daran, wie ich mich verfluchen werde, wenn ich mit einem viel zu schweren Rucksack einen Hügel hinaufkraxeln muss. Und dann schlage ich alles in den Wind, weil das weisse Jäckchen zwingend mit in die Campingferien muss, weil es sehr sinnvoll ist, zwei Paar Turnschuhe rumzuschleppen, und weil man Papiertaschentücher ja nicht überall auf der Welt kaufen kann. Nein, ich lerne es nie. Und muss deshalb unterwegs immer Ballast abwerfen: Ich verschenke Kleider, Schuhe, Hygieneartikel, Lebensmittel. Das ist dann allerdings auch schön. Für die Beschenkten. Und für mich: Das Gepäck leichter zu machen, tut gut. Physisch und psychisch.

Ballast abgeworfen haben wir auch beim Globetrotter-Magazin. Mit unserem Gestalter Theo Gamper haben wir in den letzten Wochen und Monaten das Layout entrümpelt und entschlackt. Diese Ausgabe kommt in einem neuen, modernen und gleichzeitig klassischen Erscheinungsbild daher. Wir lassen überflüssige grafische Elemente weg, damit wir dem Wesentlichen mehr Platz einräumen können: den spannenden Texten und aussagekräftigen Bildern. Wir hoffen, dass Euch, liebe Weltentdeckerinnen und Weltentdecker, das Resultat ebenso gut gefällt wie uns, und freuen uns über jede Rückmeldung.

Selbstverständlich bleiben wir auch im neuen Kleid unserer Philosophie treu. Wir publizieren keine Allerweltsreiseberichte, sondern wollen mit authentischen, überraschenden, originellen und professionell produzierten Geschichten aus aller Welt Fernweh wecken.

Dass man zum Stillen ebendieses Fernwehs nicht zwingend ans andere Ende der Welt reisen muss, zeigt die Reportage von Stefan von Bergen in dieser Ausgabe. Er ist auf den Grimselpass im Berner Oberland gefahren und den kürzesten ausgeschilderten Wanderweg der Schweiz in dichtem Nebel gelaufen. Die gut 400 Meter wurden zur endlos scheinenden Strecke, die dem Autor auch Gelegenheit gab, Überflüssiges loszuwerden, mental zumindest.

Ich werde beim Packen für die nächste Reise daran denken.

Herzlich

Fabian Sommer