Editorial Globetrotter-Magazin


Globetrotter Magazin

Magazin Nr. 126

Von der Kraft der Natur

 

Liebe Weltentdecker

Wenn ich mich in der freien Natur bewege, erlebe ich immer wieder aufs Neue, welch ungeheuer positive Wirkung sie auf mich hat. Ich spüre eine Verbundenheit mit derUrkraft des Lebens, komme ins Staunen über die Schönheit der Pflanzen, Tiere undLandschaften und realisiere, wie wunderbar das Zusammenspiel der Elemente funktioniert. Auch in meiner Erinnerung haben Naturerfahrungen einen ganz besonderen Stellenwert. Zum Beispiel die mehrwöchige Kanureise durch die Einsamkeit der kanadischen Wildnis. Oder der Aufstieg zum Gipfel des Kilimandscharo und der Blick vom Dach Afrikas auf die geschäftige Welt ganz weit unten. Oder kürzlich die Wanderungen durch den Regenwald Costa Ricas mit seiner unglaublichen Pflanzenvielfalt und farbenprächtigen Vogelwelt. Freudiges Staunen, immer wieder…

Solche Naturerlebnisse machen auch demütig und schärfen das Bewusstsein für den unschätzbaren Wert und die gleichzeitige Zerbrechlichkeit unseres Planeten. Und sie fördern die Erkenntnis, dass wir schleunigst alles dransetzen müssen, um die naturfeindlichen Entwicklungen zu stoppen – bevor es zu spät ist. In vielen Reportagen im Globetrotter-Magazin spielen Naturthemen eine wichtige Rolle, in manchen sind Erfahrungen in der Natur das Hauptmotiv fürs Unterwegssein. In dieser Ausgabeerzählt der Bündner Tumasch Clalüna, wie er in Kanada einen Bubentraum wahr machte. Zusammen mit einer Gruppe anderer Abenteurer baute er ein Floss, um damit ein Stück des legendären Yukon zu befahren (ab Seite 48). Das Leben in der Natur hinterliess beim Autor Spuren. Kaum zurück in der Zivilisation, überkommt ihn eine grosse Sehnsucht nach dem ruhigen Flussleben.

In der Reportage «Amerikas beste Idee» (ab Seite 24) berichtet Gundula Stoll, wie sie letztes Jahr mit ihrem Partner und den beiden Mädchen von der Ostküste der USA zur Westküste und zurück reiste. Die vier waren mit einem kleinen Auto und der Campingausrüstung im Kofferraum unterwegs, mit dem Hauptziel, zahlreiche National- und Stateparks zu besuchen. Die Familie machte sich dabei auch auf Spurensuche nach der grossartigen, vor über 100 Jahren geborenen Idee, Naturlandschaften zu schützen, allen Menschen zugänglich zu machen und für nachfolgende Generationen zu bewahren. Doch die Parks sind in Gefahr. Die US-Regierung kürzt nicht nur Gelder für den Naturschutz, sie stellt auch neuere Schutzgebiete infrage und nennt sie «Landraub». Diese Entwicklung ist mehr als bedenklich, und es bleibt zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen auf die wahren Werte des Landes besinnen.

Vielleicht sollten Politiker, die solches Gedankengut vertreten, einmal eine Nacht im Schlafsack unter freiem Sternenhimmel verbringen, damit sie von der Magie der Milchstrasse berührt werden. Oder sie sollten auf einer mehrtägigen Wanderung durch einen Nationalpark den Zauber unberührter Wildnis kennenlernen. Gut möglich, ass die Kraft der Natur bei ihnen das eine oder andere Wunder bewirken könnte.

Herzlich

Andy Keller