Meeresschutz auf Reisen? So gehts!

Blog-Beitrag von OceanCare/Rahel Staudenmann

Bild 1_OceanCare_Plastik

Plastikabfall ist eine der grössten Quellen der Meeresverschmutzung. ©OceanCare

Sauberes Meer versus verschmutztes Meer. Ganz klar, auf wessen Seite wir Reisende stehen. Aber nur auf der richtigen Seite stehen reicht nicht, im Gegenteil. Aktiv gegen die Verschmutzung etwas unternehmen ist unabdingbar. Aber was? Wir haben unseren Partner OceanCare gefragt, was ein jeder Reisender für den Schutz unserer Meere tun kann. Und obendrauf gibts Hintergrundinfos.

Tipp 1: Einwegplastik vermeiden

Jedes Jahr gelangen rund neun Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in die Ozeane. Damit diese Zahl nicht noch grösser wird, können Sie:

  • Mehrwegtrinkflasche mitnehmen und mit Leitungswasser auffüllen. Klar, das ist nicht immer möglich. Dann entweder grosse Wasserbehälter bevorzugen oder Wasser filtern/abkochen.

  • Generell mit wiederverwendbaren Taschen einkaufen gehen. Und für Früchte und/oder Gemüse einen sogenannten veggiebag mitnehmen, diese gibt es zum Beispiel im Shop von OceanCare: www.shop.oceancare.org

  • Cocktails und andere Getränke nur im Glas trinken, auf Plastiktrinkhalme und allgemein auf Einweggeschirr verzichten.

  • Seife statt in Plastik verpacktes Duschgel mitnehmen.

  • Auf Kosmetikprodukte ohne Mikroplastik achten. OceanCare empfiehlt dazu folgende App: www.codecheck-app.com

  • Reisebekleidung aus Naturfasern wählen. Bei Kleidern aus Polyester, Nylon und Acryl lösen sich beim Waschen kleinste Fasern, sogenannte Mikrofasern, und diese gelangen über das Abwasser in die Umwelt.


Tipp 2: Beim «Beach cleaning» mit anpacken

Rund achtzig Prozent des Mülls stammt vom Festland und gelangt über Abwasserkanäle und Flüsse oder durch Windverwehung ins Meer. Hunderttausende Delphine, Wale, Robben und Schildkröten fallen dem Plastikmüll zum Opfer, die Zahl der verendeten Seevögel geht gar in die Millionen. Die Tiere verhungern mit dem Magen voller Kunststoff oder ertrinken, weil sie sich in Plastikteilen verheddern.

  • Sammeln Sie achtlos weggeworfenen Plastikmüll ein und entsorgen Sie ihn sachgerecht.

  • Helfen Sie bei einem organisierten «Beach cleaning» mit. (Fragen Sie zum Beispiel in Ihrer Unterkunft, in Ihrer Tauchbasis etc. danach).

  • Wie wäre es, wenn Sie ein eigenes Cleanup initiieren? Vielleicht gemeinsam mit anderen Reisenden und ganz nach dem Motto: den Strand sauberer verlassen als Sie ihn angetroffen haben.

Copyright OceanCare_Cleanup auf Mallorca mit Itchy 2017-2

Plastikvermüllung im Paradies: einsammeln und fachgerecht entsorgen. Wie hier auf Mallorca (Säuberung durch OceanCare) ©OceanCare

Tipp 3: Bei Fisch und Meeresfrüchten die kulinarische Vernunft walten lassen

Das üppige Fischangebot in Läden und Restaurants täuscht. Fast überall werden heute mehr Fische gefangen als nachwachsen können. Auch Fische aus Zuchtanlagen sind keine echte Alternative. Folgendes können wir konkret dazu beitragen, dass das Leben im Meer geschont wird:

  • Grundsätzlich ist nur kein Fischkonsum nachhaltig. Wer auf Reisen aber nicht auf Meerfisch oder Meeresfrüchte verzichten möchte: sicherstellen, dass die Tiere aus nachhaltigem Fang stammen.

  • Bevorzugen Sie lokale Fische. Zum Beispiel auf den Malediven Lachs essen ist ein ökologischer Unsinn.

  • Finger weg von stark gefährdeten Fischarten wie zum Beispiel Schwertfische, Seeteufel oder Thunfische (sechs der acht Thunfischarten gelten als gefährdet).


Tipp 4: Sonnenschutz klug auswählen

Jedes Jahr gelangen tausende Tonnen Sonnenschutzmittel ins Wasser. Viele Sonnencremes enthalten Chemikalien, die bereits in geringer Konzentration Korallenriffe zerstören. Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Sonnencremes: physikalische (anorganische, mineralische) oder chemische (organische) Schutzfilter. Die besonders problematischen chemischen Stoffe sind Octinoxat und Oxybenzon. Beide sind auf Hawaii verboten. Auch Mikro- und Nanoplastikpartikel sind oft in den Sonnenschutzmitteln zu finden.

  • Falls Sie ganz auf Sonnencremes verzichten wollen, schützen Sie sich mit Kleidung oder bevorzugen Sie Schattenplätze.


Tipp 5: Auf Wildtiershows verzichten

Viele Menschen hegen auf Reisen den Wunsch, mit Wildtieren in Kontakt zu treten. Gerade das Bild der Delphine als Streicheltiere, die verspielt unsere Gesellschaft suchen, verleitet immer mehr Menschen dazu, die Tiere zu berühren oder mit ihnen schwimmen zu wollen. Vergessen werden dabei die Folgen für diese hochsensiblen Tiere, die durch diese Interaktionen gestört und gestresst werden.

  • Grundsätzlich: kein Schwimmen mit Delphinen.

  • Forschungsreisen oder respektvolles «Whale Watching» = Ja

  • Delphinarienbesuch = Nein

  • Meiden Sie zudem Elefantenreiten, den Besuch im Zirkus mit Wildtieren, den Besuch von Pelzfarmen, Stierkämpfen usw.

Bild 4 Ocean Care

Schauen ja, streicheln nein: Streifendelphine im Sprung, gesehen von OceanCare auf Forschungstour im Mittelmeer. ©Dolphin Biology & Conservation

Tipp 6: Mit der Natur (unter Wasser) respektvoll umgehen

Tiere sind nicht gerne ständig im Rampenlicht, auch sie brauchen Ruhe. Gerade direkte Interaktionen können sie empfindlich stören.  

  • Erfreuen Sie sich beim Schnorcheln und Tauchen an der Schönheit der Meereswelt ohne Korallen, Muscheln oder Meerestiere zu berühren.

  • Verzichten Sie auf lärmintensive Wassersportaktivitäten.


Tipp 7: Hände weg von problematischen Souvenirs

Schmuckgegenstände (und auch Holzobjekte) werden oft unter schlimmen und schädlichen Umständen der Natur geraubt. Dazu kommt, dass zum Beispiel der Import von Walprodukten (auch in eingechecktem Gepäck oder Handgepäck) in die EU, die USA oder andere Staaten sowohl nationalem als auch internationalem Recht widerspricht und zu Strafverfolgung führen kann. Verzichten Sie aus genannten Gründen auf Andenken wie Korallen, Muscheln, Haarschmuck aus Schildpatt, Souvenirs aus Walprodukten, Schnitzereien aus seltenen Hölzern, usw.


Tipp 8: CO2-Emissionen kompensieren

Wählen Sie bei Reisen über kürzere Distanzen möglichst den Zug. Kreuzfahrtschiffe sind besonders schädlich, da sie mit billigem Schweröl zur Verschmutzung der Meere beitragen. Schiffslärm stört zudem die Orientierung der Meerestiere. Gerade beim Reisen ist es schwierig, eine Erhöhung des CO2-Fussabdrucks zu verhindern. Trotzdem können wir alle etwas zum Klimaschutz beitragen, indem wir unvermeidbare Emissionen mit Klimaschutzmassnahmen kompensieren.

  • Kompensieren Sie die CO2-Emissionen Ihrer Flugreise oder Autofahrt via myclimate. Mehr dazu unter www.globetrotter.ch/myclimate

    oder direkt bei den Globetrotter-ReiseberaterInnen.

  • Unterstützen Sie die Baumpflanzaktion von «Plant for the Planet» und tragen Sie so zur Klimagerechtigkeit bei:  www.plant-for-the-planet.org
     

Wir sind überzeugt, dass wir alle mit diesen wertvollen Tipps von OceanCare gut gerüstet sind und das ein oder andere Gute tun für unseren Planeten – sei es daheim oder auf Reisen. Apropos Reisen.

Interessieren Sie sich allgemein für verantwortungsbewusstes Reisen, zusammen mit Globetrotter? Hier gibt es weitere Infos dazu:

Verantwortungsbewusst Reisen

Über OceanCare

OceanCare setzt sich seit 1989 weltweit für die Meerestiere und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie intensivem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. Seit Juli 2011 ist OceanCare vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen als Sonderberaterin für den Meeresschutz anerkannt. Ebenfalls seit 2011 ist Globetrotter Partner von OceanCare. Mit einem jährlichen Beitrag unterstützen wir das Projekt zur Ausbildung von Rettungsteams, die sich um verletzte und gestrandete Meerestiere in Südafrika kümmern.

OceanCare-Logo-RGB-pos-150_ohne www

Abbau von Müll im Meer – die Zahlen

  • Kartonkisten: 2 Monate

  • Zigarettenfilter: 5 Jahre

  • Plastiksäcke: 20 Jahre

  • Blechdosen: 50 Jahre

  • Plastikringe von Sixpacks (z.B. von Bierdosen): 400 Jahre

  • Windeln und Plastikflaschen: je 450 Jahre

  • Fischernetze: 600 Jahre

Quelle: OceanCare