Grüner Reisen: Zero Waste als Ansporn

Blog-Beitrag von Christine Bielecki, am 07.08.2020

Copland River, Westland Nationalpark, Neuseeland

Copland River

2020 ist das Jahr, in dem sich vieles geändert hat. Dazu zählt auch unser Reiseverhalten. Vielleicht ist die geplante Reise gar nicht möglich, vielleicht passt sie einfach nicht zur Stimmung. Vielleicht mussten auch Sie Ihre Reise umbuchen, eine Alternative finden. Das Jahr 2020 regt definitiv zum Nachdenken an, stellt unser eigenes Verhalten mehr denn je in Frage. Das gilt besonders, wenn es um unser Verhalten in Bezug auf die Umwelt geht. Wie können wir unseren Beitrag leisten, um das Klima zu schützen? Wie können wir unseren Alltag «grüner» gestalten? Und ist Reisen unter diesen Gesichtspunkten dann überhaupt noch möglich? 

Ökologisch nachhaltiges Reisen muss nicht im totalen Widerspruch zueinander stehen. Sterne-Köche schreiben jetzt Bücher über «Zero Waste» in der Küche, eine ganze Bewegung macht sich stark für plastikfreies Leben. Und nun kommt der Begriff «Zero Waste« auch in der Tourismusbranche an. Umdenken kann auf allen Ebenen stattfinden und bedeutet nicht, dass wir gänzlich auf Reisen verzichten müssen. «Der Ausdruck Zero Waste setzt natürlich zunächst einmal sehr unter Druck. Tatsächlich müllfrei zu reisen ist vielleicht ein hohes Ziel – genau wie wir es auch in unserem Alltag nicht schaffen, müllfrei zu leben. Aber es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wir unterwegs Abfall verringern können. Wenn wir uns ein bisschen mehr anstrengen, ist schon viel gewonnen», sagt Reiseberater Marc Schönholzer, Experte in Sachen «Verantwortungsbewusstes Reisen» und gibt Tipps für mehr «Zero Waste» auf Reisen.

Tipp 1: Verzichten Sie auf Plastik, wo Sie können. Eine wiederverwendbare Trinkflasche sollte daher unbedingt mit ins Reisegepäck. «Ich war schon auf Gruppentouren von Veranstaltern wie Intrepidtravel oder Gadventures, wo die Tourguides jeden Tag sichergestellt haben, dass die Flaschen mit sauberem Wasser gefüllt werden konnten. Dies war sehr hilfreich», erklärt Marc Schönholzer.

«Wer in Ländern, in denen die Trinkwasserqualität nicht so gut ist, Sorge hat, kann Wasserfilter oder Tabletten fürs Wasser mitzunehmen.» Genau wie die Trinkflasche gehören Lunchbox und Bienenwachstücher ins Gepäck. Reisegeschirr und -besteck sind ebenfalls eine tolle Möglichkeit, effektiv Müll zu vermeiden.

Wiederverwendbare Trinkflasche auf Wanderung

Wiederverwendbare Trinkflasche auf Wanderung

Tipp 2: Ein Jutebeutel passt in jedes Reisegepäck und ist praktisch, da er für vieles verwendet werden kann und so bei Einkäufen Plastiktüten gespart werden. Genauso gehören auch nachhaltige Sonnencreme, Duschmittel, Zahncreme und Shampoo ins Reisegepäck. Heute gibt es viele Möglichkeiten bei Hygieneartikeln an Müll zu sparen – von wiederverwendbaren Abschminkpads bis Menstruationstassen.

Jutebeutel von Globetrotter

Jutebeutel von Globetrotter

Tipp 3: Papiermüll zu vermeiden, ist auf Reisen nicht schwer. Digitale Tickets für Flug- und Zugreisen sind schon fast Standard. Und statt Zeitungen und Zeitschriften zu kaufen, kann man auf digitale Medien zurückgreifen.

Zeitschrift auf dem E-Reader

Zeitschrift auf dem E-Reader

Tipp 4: Übriggebliebene Lebensmittel müssen nicht weggeschmissen werden, sondern können vor Ort  weitergegeben werden. Je nachdem in welchem Land man zu Gast ist, wird dies sehr geschätzt. 

Tipp 5: Fragen Sie im Reisebüro nach Unterkünften, die nachhaltig arbeiten. Marc Schönholzer: «Grundsätzlich gibt es schon weltweit Unterkünfte, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben haben. Die Suche ist noch etwas schwierig und zum Teil auch aufwendig, vor allem weil der Ausdruck Zero Waste aktuell wohl erst in der westlichen Welt bekannt ist. Hotels sind schon eher mit dem Zusatz Eco versehen».

Eco-Camp in Patagonien

Eco-Camp in Patagonien

Tipp 6: Mit der ganzen Familie bei einem Strand-Clean Up teilnehmen. Man tut nicht nur etwas Gutes für die Umwelt sondern hat dabei auch noch ein ganz grossartiges Erlebnis. «Hierfür gibt es weltweit tolle Organisationen. Aus der Schweiz kenne ich die Organisation Trash Hero trashhero.org. Die haben ein vielseitiges Programm und organisieren weltweit wöchentliche Clean-Ups. In Kopenhagen kann man Picknick-Boote mieten und gemütlich durch die Kanäle fahren. Die Kinder kriegen als Trash-Piraten Fischernetze (Kescher), mit welchen sie Abfall einsammeln können. Am Schluss gibt’s eine Belohnung bei der Abgabe des gesammelten Mülls», weiss Marc Schönholzer.

Clean-Up Day am Strand

Clean-Up Day am Strand

Tipp 7: Überlegt konsumieren: Mitbringsel müssen nicht unbedingt aus Plastik sein. Ausserdem landen sie zuhause häufig in einer Ecke und geraten völlig in Vergessenheit. Daher sollte man genau überlegen, ob ein Mitbringsel wirklich notwendig ist. Kinder können auch fantastisch mit Naturmaterialien spielen. Kaufen Sie regionale Produkte und besuchen sie lokale Märkte.

Tipp 8: Was mitgebracht wurde, wird auch wieder mit nach Hause genommen. Müll aus der Heimat sollte unter gar keinen Umständen im Reiseland zurückgelassen werden.

Ja, der Ausdruck Zero Waste ist vielleicht etwas hochgegriffen, die Reiselust sollte er uns nicht verderben. Doch der Versuch am eigenen Verhalten etwas zu ändern, steht hier im Vordergrund.

«Es gibt leider noch wenige Länder auf der Erde, die ihre Gesetze zugunsten Zero Waste angepasst haben», erklärt Marc Schönholzer. «Aber es gibt schon einzelne Bemühungen in diese Richtung. Leider sind diese oftmals wenig koordiniert. Ausnahmen sind hier Kenia/Ruanda und Tansania. Dort ist die Einfuhr und Benutzung von Plastiktüten verboten und unter Strafe gestellt. Ein weiteres positives Beispiel ist Costa Rica, ein Land, das sehr viel in Nachhaltigkeit investiert.» Wer sich für nachhaltiges Reisen interessiert, sollte also auf jeden Fall einmal bei seinem Reisebüro nachfragen. Denn Reisen und Nachhaltigkeit müssen nicht in Konflikt zueinander stehen.

Globetrotter und verantwortungsbewusstes Reisen

Ausgewählte Globetrotter-ReiseberaterInnen setzen sich vertieft mit dem Thema auseinander, damit sie ihre Kundschaft optimal dazu beraten können.

Zudem führt Globetrotter interne Schulungen für MitarbeiterInnen zu diesem Thema durch. Da geht es nicht nur darum, was in der Reiseberatung gegenüber den Kunden weitergegeben wird. Es geht auch um interne Gegebenheiten, die zum Teil verbessert werden können (zum Beispiel, wie man richtig mit Ressourcen wie Papier oder Wasser umgeht, Take-Away-Mittagessen in Mehrweggeschirr usw.)

Verantwortungsbewusst Reisen