Eine Momentaufnahme aus Japan

Blog-Beitrag von Franziska Domann, am 17.02.2021

Japan

Japan ist ein Land mit verschiedenen Facetten und unzähligen Kontrasten. Zwischen Fast-Food-Ketten gibt es hübsche Restaurants mit Köchen, die die japanischen Köstlichkeiten sorgfältig zubereiten und kunstvoll anrichten. Und das bedeutet weit mehr als Sushi und Miso-Suppe. Doch wie sieht es eigentlich momentan in Japan aus? Wir haben mit Rolf, einem Schweizer Auswanderer, gesprochen. Er berichtet uns mehr über die aktuelle Lage vor Ort.

Wie erlebst du den Tourismus aktuell bei dir bzw. in Japan?

Der internationale Tourismus ist in Japan seit April 2020 gänzlich zum Erliegen gekommen. Japans Grenzen sind seither für die meisten Ausländer geschlossen und das wird wohl noch eine Zeit so bleiben. Einen Lichtblick bietet die geplante Austragung der Olympischen Sommerspiele in Tokyo im Juli 2021, falls diese dann auch durchgeführt werden können!

Wie empfindest du den Umgang mit den Massnahmen gegen Covid-19?

In Japan ist der Hygienestandard allgemein sehr hoch, nicht erst seit der Corona-Pandemie. Das Tragen von Masken ist für Japaner nichts Neues. In öffentlichen Toiletten gibt es oft berührungslose Spülvorrichtungen und Wasserhähne. Die Begrüssung unter den Japanern ist auch berührungslos. Die Empfehlung «Stay Home» fällt der Bevölkerung seit Dezember 2020, dem Beginn der dritten Infektionswelle, allerdings zunehmend schwerer.

Wie hat sich dein Unternehmen der aktuellen Situation angepasst?

In der Hoffnung auf eine bessere Zeit in nicht allzu ferner Zukunft habe ich die meisten Aktivitäten im Bereich Tourismus seit dem Ausbruch der Pandemie eingestellt. «Telework», wie die Japaner die Arbeit im «Homeoffice» nennen, ist für viele Firmen im Land neu und stellt eine grosse Herausforderung für die präsenzorientierte Gesellschaft dar. Masken tragen, Hände waschen und Abstand halten ist sicherlich ein guter Rat. Japanische Firmen haben ihren Mitarbeitern jedoch noch eine weitere Empfehlung ausgesprochen: sich regelmässig, abwechslungsreich und gesund ernähren, um das eigene Immunsystem zu stärken. Das Thema WASHOKU, die traditionelle japanische Esskultur, hat somit in meiner Tourismusarbeit einen hohen Stellenwert. WASHOKU wurde übrigens 2013 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Wir arbeiten derzeit an einem neuen Tour-Programm im ländlichen Japan zum Thema WASHOKU. Eine meiner grössten Herausforderungen in dieser Zeit ist es, dass ich mich dazu persönlich mit vielen Partnern wie dem Reis-Farmer, dem Wasabi-Farmer, dem Fischer oder dem Sake-Brauer abstimmen müsste, was leider bis auf weiteres kaum möglich ist.

Welche Chancen siehst du für die Region mit Ausblick auf die Zukunft?

Japan hat aus touristischer Sicht ein sehr grosses Potential. Vor der Corona-Pandemie war das traditionelle Reisen in Japan ein von-Ort-zu-Ort-hoppen, das durch die Tatsache gekennzeichnet war, dass viele Touristen das Land zum ersten Mal bereisten. Nach der Pandemie suchen sicherlich viele Reisende ein Angebot im ländlichen Japan, wo sie die einzigartige japanische Kultur und den faszinierenden Lifestyle für sich in Ruhe mehrere Tage am selben Ort geniessen können. Unsere Gegend am Japanischen Meer, im UNESCO Global GeoPark von Itoigawa, bietet eine gute Gelegenheit, dies zu tun.

Welchen Tipp würdest du Reisenden nach Japan mit auf den Weg geben?

Vor einer Reise nach Japan empfehle ich, sich darüber zu informieren, welche Verhaltensmuster man kennen sollte, die Achtsamkeit der Japaner in Japan zu beobachten und sie auf die bestmögliche Weise nachzuahmen. Das bereichert und kommt nicht nur in Japan gut an!

WASHOKU ist viel mehr als nur roher Fisch und Sushi. Es lohnt sich, die japanische Esskultur in ihrer Vielfalt kennen zu lernen und zu geniessen. Meine Empfehlung: «Enjoy a taste of Japan» am japanischen Meer in Itoigawa!

Japan Rolf Müller

Rolf Müller in Japan

Rolf Müller stammt ursprünglich aus Luzern, lebt aber bereits seit über 20 Jahren in Japan. Geblieben ist er nicht nur wegen des tollen Landes, sondern vor allem wegen WASHOKU. Er zählt das japanische Essen und Trinken als grosses Vergnügen in seinem Alltag. Da er unter anderem als Tourismuspionier bei KOTOBUKI in Itoigawa, dem ersten UNESCO Global GeoPark Japans tätig ist, kennt er das urbane und ländliche Japan sehr gut und hilft, die Kultur und Lebensweise für Schweizer Reisende zugänglicher zu machen. Zudem arbeitet er als Wirtschaftsingenieur und Entwicklungsleiter bei einem japanischen Unternehmen in Yokohama.

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