Eine Momentaufnahme aus Japan

Blog-Beitrag von Franziska Domann, am 04.02.2021

Japan

Japan ist bekannt als ein Land voller Kontraste. Wo Zurückhaltung und gepflegte Umgangsformen oberstes Gebot sind, fallen etliche Menschen mit bunter und auffälliger Kleidung aus dem Rahmen. Hier zierliche Geishas und wuchtige Sumo-Ringer, dort schrille Pop-Kultur und Manga. Doch wie sieht es eigentlich momentan im Land der aufgehenden Sonne aus? Wir haben mit Lisa gesprochen, die zur Hälfte Japanerin ist. Sie berichtet uns mehr über die aktuelle Lage vor Ort.

Wie erlebst du den Tourismus aktuell bei dir bzw. in Japan?

Die Einreisebestimmungen sind sehr strikt und der internationale Tourismus steht seit April 2020 still. Damals wurde ein umfassendes Einreiseverbot erlassen und die Einreise ist nur noch mit Visum oder Aufenthaltsbewilligung möglich. Momentan sieht es so aus, als ob erst nach den olympischen Sommerspielen, also ab Spätsommer 2021, die Bestimmungen wieder etwas gelockert werden und die Einreise von Touristen unter Auflagen wieder möglich sein wird. Mitte Januar wurde erneut der medizinische Notstand in den Grossräumen Tokyo und Osaka ausgerufen – dieser Notstand ist jedoch nicht mit einem europäischen Lockdown zu vergleichen.

Hotels und Reiseanbieter leiden natürlich enorm unter den Folgen. Die Regierung hat im letzten Jahr mit einer grossen Kampagne, bei welcher Rabatte und Gutscheine angeboten wurden, versucht den Inlandtourismus anzukurbeln. Auch sind ländliche Destinationen im Trend – viele Menschen versuchen den Massen aus dem Weg zu gehen. Auch Konzepte wie «Workation», welche bisher in Japan wenig bekannt waren, erleben einen Aufschwung.

Wie empfindest du den Umgang mit den Massnahmen gegen Covid-19?

Anders als in Europa gab es hier nie einen richtigen Lockdown. Die Fallzahlen sind tiefer als in vielen anderen Ländern, und aufgrund der geographischen Lage hatte es die Regierung vergleichsweise leicht, die Grenzen dicht zu machen. Ich verstehe diese Massnahme, obwohl sie uns und zahlreiche andere Unternehmen hart trifft. Die Regierung versucht jedoch, betroffene Unternehmen rasch und unkompliziert finanziell zu unterstützen. Ich hoffe, dass bald ein Weg gefunden wird, dass Touristen unter Auflagen wieder einreisen dürfen.

Wie hat sich dein Unternehmen der aktuellen Situation angepasst?

Wir machen vermehrt Werbung und konzentrieren uns auf Inlandkunden. Die Japaner haben andere Bedürfnisse – die Ferientage sind knapp und möchten so effizient wie möglich genutzt werden. Ausserdem konzentrieren wir uns auf Umbau- und Verbesserungsprojekte für die Vans. Hygienemassnahmen beschränken sich bei uns auf Abholung und Rückgabe der Vans und die Reinigung, was relativ einfach umzusetzen ist.

Ein Vorteil für uns ist, dass das Reisen mit einem Campervan im letzten Jahr an Popularität gewonnen hat. In Japan war diese Art zu reisen bisher nicht so bekannt wie in Europa. Nun finden immer mehr Leute Gefallen daran – so kann man Corona-freundlich und komplett unabhängig reisen. Ausserdem ist Japans Infrastruktur perfekt fürs Reisen mit einem Van. Es gibt unzählige gratis Schlafplätze, Onsen (heisse Quellen) und das Land ist sehr sicher.

Mit der Unsicherheit kommen wir mittlerweile relativ gut klar. Natürlich ist es etwas schwierig, wenn Pläne und Projekte immer wieder auf Eis gelegt werden. Wir haben «Japan by Van» ja erst 2018 gegründet und sind eigentlich noch mitten im Aufbau. Daher müssen wir uns momentan auch auf andere Einnahmequellen konzentrieren. Gleichzeitig schätzen wir sehr was wir haben und möchten uns nicht beklagen. Wir bleiben optimistisch und versuchen das Beste aus dieser Situation zu machen. Persönlich ist für uns schwierig, dass wir seit über zwei Jahren nicht mehr in der Schweiz waren. Wir vermissen unsere Freunde und Familie sehr und hoffen, dass wir sie bald wieder besuchen dürfen.

Welche Chancen siehst du für die Region mit Ausblick auf die Zukunft?

Der Tourismus in Japan konzentrierte sich bisher stark auf die bekannten Destinationen Tokyo, Kyoto und Hiroshima. Schon vor der Krise wurde versucht, die Touristen mehr in ländliche Gegenden zu locken. Ich hoffe sehr, dass dies in Zukunft noch mehr gelingen wird und sich Reisende die Zeit nehmen, andere Regionen zu besuchen – denn es gibt neben der Millionenstadt Tokyo und der alten Kaiserstadt Kyoto noch so viel zu entdecken.

Auch wenn es seine Zeit brauchen wird, bis die Menschen wieder Vertrauen fassen und Lust haben, fremde Länder zu bereisen, bin ich überzeugt davon, dass sich der Tourismus in Japan nach der Krise wieder erholen wird. Das Land hat für jeden etwas zu bieten und strahlt auf viele Besucher eine besondere Faszination aus.

Welchen Tipp würdest du Reisenden nach Japan mit auf den Weg geben?

Für Reisende, welche bereits oder immer noch in Japan sind, ist es zurzeit möglich «Hotspots» zu besuchen, welche man sonst wegen den grossen Menschenmassen eher meidet. Grundsätzlich ist Japan ein sehr sauberes und sicheres Reiseland und die Hygienemassnahmen werden zuverlässig eingehalten.

Ansonsten nehmt euch Zeit, die weniger bekannten Regionen zu erkunden, um Land und Leute richtig kennenzulernen. Japan ist riesig, kontrastreich und bietet eine unglaubliche Vielfalt: Nebst Megastädten und faszinierenden Tempeln bietet Japan auch unglaublich viel Natur und unentdeckte Orte, die zu Outdoor-Aktivitäten wie Surfen, Snowboarden, Wandern, Tauchen oder Velofahren einladen – von Hokkaido, dem «wilden Norden» bis zum Inselparadies Okinawa. Und: Taucht ganz tief ein in die kulinarische Welt Japans. Es lohnt sich!

Japan Lisa Scherer

Lisa Scherer und ihr Partner Urs Krebs in Japan

Lisa Scherer wuchs in Zürich auf, darf sich aber zur Hälfte Japanerin nennen. Nachdem sie das Land mit ihrem Partner mehrmals zusammen bereiste, entschieden sich die beiden 2016 dazu, für mindestens ein Jahr dortzubleiben und Japanisch zu lernen. Schnell wurde ihnen klar, dass sie gerne länger bleiben würden. Ihnen gefiel das selbstbestimmte Leben mit den freundlichen, hilfsbereiten Menschen. Mittlerweile bauen sie gemeinsam alte, japanische Vans in gemütliche «home on wheels» um und vermieten diese mit ihrer Firma «japan by van» an Reisende. So können sie ihre Leidenschaft fürs Reisen und dieses wunderschöne Land mit ihren Kunden teilen und haben selbst auch immer einen guten Grund, um auf Entdeckungstour zu gehen.

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