Lea Ernst


Preisträgerin World Photo 2019

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Projekt in Arbeit: Die Dragqueens von Jerusalem

Gerade bin ich noch an der Klagemauer gestanden und konnte meinen Blick nicht von den ultraorthodoxen Juden abwenden, die tanzend und betend den Sabbat eingeläutet haben. Drei Stunden später, wenige Gehminuten entfernt vom Mea Shearim, dem hochreligiösen Quartier Jerusalems, wird nun ebenfalls ausgiebig getanzt. Und das nach Einbruch des Sabbats, dem wichtigsten jüdischen Feiertag, an dem die Bars und Läden geschlossen haben und sogar der öffentliche Verkehr zum Stillstand kommt.

In der kleinen, prall gefüllten Bar «Video» bieten Yosale und seine beiden transsexuellen Freunde eine atemberaubende Show. Die Stimmung ist ausgelassen, die Leute tragen Schminke, Glitter und Federboas, tanzen, flirten. Obwohl sie mitten in Jerusalem sind, wo jede Verknüpfung von Religion und Sexualität strikt verachtet wird. Das «Video» ist die einzige Bar für Homosexuelle in der Stadt und liegt versteckt in einer kleinen Seitengasse. Umgeben von hochreligiösen Hardlinern wäre ein Schild oder eine markante Beschriftung zu gefährlich. Rund zweimal im Monat tritt Yosale zusammen mit der Tänzergruppe Allah Nash im «Video» auf. Yosale ist 25 Jahre alt und hat die kleine Vereinigung der drei aus Jerusalem stammenden Dragqueens vor ca. vier Jahren gegründet. Damit hat er ein wichtiges Zeichen für die stark unterdrückte LGBT-Community Jerusalems gesetzt. Die Nächte im «Video» sind lang und ausgelassen, als gäbe es kein Morgen und keine Regeln. Bis dass die Sonne aufgeht und man wieder in die Realität Jerusalems zurückkatapultiert wird.

Wie schaffen es Yosale und seine Freunde, trotz ihrer Transsexualität im hochreligiösen Schmelztiegel Jerusalem zu leben? Wie kleiden und verhalten sie sich in ihrem Alltag? Wie bereiten sie sich auf ihre Auftritte vor? In meiner Reportage möchte ich die Kontraste der offen ausgelebten Sexualität und der Religiosität erforschen und aufzeigen.

Zur Person

 

Lea Ernst

Porträt Lea Ernst World Photo 2019