Sima Rumba - eine ungewöhnliche Lebensgeschichte aus Nepal


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Sima Rumba ist in Nepal mit verstümmelten Händen aufgewachsen. Trotz der Behinderung hat sie mehr erreicht als viele andere: Dank Unterstützung aus der Schweiz studiert sie Innenarchitektin, zeichnet Pläne und baut Modelle.

Es passiert in ihrem Geburtsdorf etwas südlich von Nepals Hauptstadt Kathmandu. Sima ist 11 Monate alt. Die Mutter ist wie jeden Tag zur Arbeit gegangen, als Sima in der Hütte, in der die Familie wohnt, zu nah ans offene Feuer kriecht und hineinfällt. Ihr Vater ist zwar zuhause, aber schwer betrunken und eingeschlafen. Er hört Simas Schreie nicht, als sie weinend im Feuer liegt.

Die Folgen dieses Unfalls begleiten Sima ihr Leben lang: Durch die schweren Verbrennungen sind ihre Hände verstümmelt worden. „Wenigstens erinnere ich mich nicht mehr an die Schmerzen, die ich damals hatte“, sagt Sima heute.

Schwierige Familienverhältnisse

Auch später hat Sima kein einfaches Leben. Ihre Eltern trennen sich, als sie sechs Jahre alt ist. Der Vater heiratet wieder und will von den Kindern nichts mehr wissen. Die Mutter kümmert sich zwar zuerst alleine um die Kinder, landet dann aber im Gefängnis, weil sie als Prostituierte arbeitete.

Sima lebt deshalb mal bei ihrer Tante, mal bei einem Onkel. Simas Bruder Raju verlässt das Dorf und geht nach Kathmandu, in der Hoffnung eine Arbeit zu finden und Geld zu verdienen. Diesen Wunsch haben viele Kinder aus den ländlichen Gegenden Nepals, und Raju endet so, wie viele dieser Kinder: Als Strassenkind.

Die Aufnahme ins Heim

Dass Raju in Kathmandu auf der Strasse lebt, ist letztlich das Glück von Sima, auch wenn es ihr zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst ist: Die Schweizerin Nicole Thakuri Wick wird auf Raju aufmerksam und nimmt ihn ins NAG, einem Heim für Strassenkinder, auf. Ursprünglich war das Heim nur für Knaben geöffnet, als es aber nach einigen Jahren auch Mädchen aufnimmt, sorgt Raju dafür, dass seine mittlerweile 9-jährige Schwester ebenfalls im NAG eine neue Heimat findet.

Der Traum wird wahr

Sima wollte schon immer als Innenarchitektin arbeiten. „Ich habe schon als kleines Kind davon geträumt,“ sagt sie. Im NAG hat Sima gelernt, dass sie trotz ihrer Behinderung alles machen kann, was andere auch machen. Als es jedoch nach der 12. Klasse um die Studienwahl geht und sie ihren Wunsch äussert, wird sie nicht ernst genommen. Wie sollte sie mit ihren Händen Pläne zeichnen oder Modelle anfertigen? Sie solle sich besser etwas anderes suchen, so der einhellige Rat.

Das will Sima nicht auf sich sitzen lassen. Nicole Thakuri Wick erinnert sich: „Sima kam wütend zu mir und fragte, warum sie nicht Innenarchitektur studieren könne. Es habe immer geheissen, sie könne alles machen, was andere auch tun können.“ Tatsächlich werden im NAG alle gleich behandelt und erhalten die gleichen Chancen. Sima kann sich deshalb beweisen: In der NAG-eigenen Holzwerkstatt soll sie selber eine Holzkiste herstellen, mit Handsäge, Schleifpapier, Nägeln und Hammer. Zur Überraschung der Meisten schafft es Sima. Innerhalb von wenigen Stunden hat sie die Bretter zu einer schönen Kiste verarbeitet.

Mittlerweile studiert Sima seit über zwei Jahren Innenarchitektur und steht kurz vor dem Abschluss des Studiums. In einem der Praktikas hat sie so brilliert, dass die Firma ihr möglicherweise eine Festanstellung anbietet. Sima freuts: „Ich bin so glücklich, denn ich kann alles machen, was ich schon immer wollte“.

Sima Rumba – ihre Geschichte zeigt, dass mit viel Willen und Durchsetzungskraft vieles möglich ist. Auch in einem Drittweltland wie Nepal und auch mit Behinderung.