Hawa – Literarische Stimmen malayisischer Frauen

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Essen auf dem Nachtmarkt von Kota Kinabalu
Die Anthologie widerspiegelt wie in einem Kaleidoskop den Alltag von Frauen der unterschiedlichsten Schichten der malaysischen Gesellschaft.

Da wird vom Treiben der upper class berichtet, in mehreren Geschichten spielt die Liebe die wichtigste Rolle, wobei dem Mann zumeist eine kritischere Schilderung zuteil wird, es zeigen sich wie schon in der klassischen malaiischen Literatur didaktische Tendenzen, das Verhältnis zwischen Mann und Frau wird (unter Zugrundelegung islamischer Verhaltensregeln; der Islam ist Malaysias Staatsreligion, aber nicht die einzige) beleuchtet, und in einem Fall mokiert sich die Autorin über das materielle Übergewicht des chinesischen Bevölkerungsanteils. Eine Ausnahme bildet die Erzählung Ein Holzfäller, in der unter mystischen Begleitumständen die drei Hauptreligionen in Malaysia, nämlich der Buddhismus, das Christentum und der Islam, dargestellt werden.

Die Beziehungen zwischen der alten und der jungen Generation zeigt die Geschichte Großmutter auf, während Kleine Leute die Kluft zwischen Arm und Reich behandelt.Volksverbundenheit in Form eines pantun, eines typisch malaiischen, vierzeiligen Sinngedichts beweist die Erzählung Mag meine Reispflanze Korn für Korn ausstreuen. Diese Sammlung von Kurzgeschichten von 23 Autorinnen aus Malaysia (viele von ihnen sind Literaturpreisträgerinnen im nationalen Rahmen) bietet eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich in die Gefühle, Lebensregeln und sozialen Grundsätze eines so fernen Kulturkreises hinein zu versetzen.

222 Seiten, Horlemann Verlag, ISBN 978-3-89502-267-8