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EditorialMagazin Nr. 94Editorial von Andy Keller im Globetrotter-Magazin Nr. 94
Wer sich der Fremde aussetzt, kommt den Menschen näher Liebe Weltentdecker Es gibt Länder, die werden bei uns in der Öffentlichkeit fast ausschliesslich durch die politische Brille wahrgenommen. Medien berichten nur dann über sie, wenn sich politisch etwas bewegt, ein Umsturz stattfindet oder ein neuer Präsident gewählt wird. Kuba ist ein solches Land. Wir wissen zwar viel über den alten Comandante Fidel Castro, das kommunistische System und die schwierigen Beziehungen zu den USA, aber wie leben die Menschen in Kuba? Wie begegnen sie dem Besucher? Was bewegt sie? Um Antworten auf solche Fragen zu bekommen, muss man hinreisen, sich umsehen und Menschen treffen.Genau dies hat Karin Jakob, Autorin der grossen Kuba-Reportage ab Seite 8, getan. Auf ihrer Veloreise durch die Karibikinsel hat sie einen Blick hinter den kommunistischen Vorhang geworfen und dank ihrem langsamen Reisetempo etwas über Land und Leute erfahren. Ihre Gastgeber in den «Casas Particulares», den autorisierten Privatunterkünften, erzählten ihr – fern jeder staatlicher Doktrin – von ihrem Alltag in einem System, das wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit anmutet. Diese und viele andere Begegnungen haben der Autorin aber auch gezeigt, dass die schwierigen Lebensumstände der Herzlichkeit der Kubaner nichts anhaben konnten. Einen noch tieferen Einblick als beim Reisen erhält, wer für längere Zeit in einem anderen Land arbeitet. Nadine Hudson ist zusammen mit ihrer Familie vor bald zwei Jahren in den Südwesten Chinas gezogen und hat die Leitung eines Guesthouse übernommen. Im Interview ab Seite 40 erzählt sie von ihrer Arbeit als Guesthouse-Managerin, dem Leben in einer fremden Kultur und vor allem über die Erfahrungen mit den Chinesen. Ihre Äusserungen mögen für diejenigen Leser, die dem unfassbaren Koloss China eher kritisch gegenüberstehen, etwas schönfärberisch klingen. Vielleicht zeigen die Aussagen von Nadine aber auch, dass erst ein längerer Aufenthalt Wahrnehmungsmuster zu verändern vermag und sich möglicherweise Vorurteile aufzulösen beginnen. Ganz eingetaucht in ein fremdes Land sind Heidy und Bruce Alexander. Die beiden sind vor zwei Jahren nach Kanada, ins Land ihrer Träume, ausgewandert. In der Provinz Nova Scotia, im Osten des riesigen Landes, haben sie sich ein Haus mit Grundstück direkt an einem traumhaften See gekauft und mit viel Tatendrang und der Unterstützung hilfsbereiter Nachbarn ein neues Leben aufgebaut. Die Region gilt wirtschaftlich als eine der ärmsten Kanadas, doch gibt es hier eine Qualität, die mehr zählt als alles Geld der Welt – viel Zeit. In ihrer mit viel Humor gewürzten Geschichte ab Seite 52 berichtet Heidy vom Fussfassen und von ersten Erfahrungen in der neuen Heimat. Ob Karin in Kuba, Nadine in China oder Heidy in Kanada – die drei Frauen haben etwas gemeinsam: Sie geben sich mit Vordergründigem nicht zufrieden und nehmen sich das alte Globetrotter-Motto zu Herzen: einmal sehen ist besser als hundertmal hören. Nur wer sich der Fremde wirklich aussetzt, wer sich aufs Abenteuer «Weltentdecken» einlässt und sich dabei immer wieder überraschen lässt, kommt einem Land und seinen Menschen wirklich näher. Herzlich ›› top |
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